AIDA und TUI im Vergleich

Ihr habt meine Erlebnisse mit AIDA und diejenigen mit TUI gelesen. Die Frage, wer besser ist, dürfte rasch beantwortet sein. Ich wollte es aber ein bisschen genauer wissen und habe deshalb beide Reedereien anhand von 14 Kriterien aus meiner Sicht als Besatzungsmitglied bewertet:

  1. Verpflegung: Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Bei TUI schmeckte nach kurzer Zeit alles irgendwie gleich, und um Getränke außerhalb der Crew-Messe musste man sich selbst kümmern. Bei AIDA war nicht nur das Essen genauso lecker wie dasjenige für die Gäste, sondern wir wurden auch mit Getränken versorgt.
  2. Essenkostenrückerstattung: Gab es bei TUI nicht. Wenn wir unterwegs aßen, mussten wir alles selbst bezahlen. Bei AIDA bekamen wir in Câmara de Lobos kostenlos leckere Sandwiches, und in Costa Teguise waren wir zu den riesigen Cesar-Burgern eingeladen. Bei Touren über fünf beziehungsweise sechs Stunden gab es eine Pauschale von 5 €.
  3. Privatsphäre: Bei TUI hatte man in den Single-Share-Kabinen einen Rückzugsraum, in dem man ungestört war. In den Doppelkabinen bei AIDA nur im Badezimmer.
  4. Kabinen: Dafür waren die Kabinen bei AIDA doppelt so groß, so dass kaum das Gefühl von Platzangst aufkam. Man musste auch das Bett nicht jeden Abend herunter- und am Morgen wieder hinaufklappen, so dass es lüften konnte. Die AIDA-Matratzen waren zwar wie diejenigen bei TUI nur 80 cm schmal, aber doppelt so dick und dadurch wesentlich besser.
  5. Saubermachen: Wurde bei AIDA vom Housekeeping erledigt. Bei TUI musste man sich selbst darum kümmern.
  6. Fahrräder: Bei AIDA mit Riemen, gefederten Sattelstützen, hochwertigen Lenkergriffen und ergonomischen Sätteln. Ach ja, und „Bike Clean“ gab es auch. Bei TUI nichts von alledem.
  7. Räderschieben: Hinausschieben war bei TUI besser, zurückschieben bei AIDA. Bei TUI gab es Helme, Rucksäcke & Co. erst am Morgen vor der Tour. Ironischerweise hatten dort Gäste immer wieder gefragt, ob die Ausgabe nicht am Vorabend möglich sei. War sie natürlich nicht😉 Dort mussten Rucksäcke und Helme immer in Gitterwagen zum Buchungsschalter gekarrt und nach der Ausgabe wieder in den Fahrradraum zurückgebracht werden.
  8. Arbeitszeiten: Bei TUI offiziell zehn Stunden am Tag (meistens weniger), bei AIDA acht (meistens mehr).
  9. Gehalt: Brutto mehr bei AIDA (1.700 €), netto mehr bei TUI (1.650 €). Aber nur, wenn man keinen steuerlichen Wohnsitz in Deutschland mehr hat. Sonst ist man verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Tut man das nicht, kann es eine böse Überraschung geben. Aber mal ehrlich: Auf einem Schiff arbeitet man nicht fürs Geld, sondern für das Erlebnis.
  10. Erkundungsfahrten: Bei TUI musste ich viele Touren, die ich nicht kannte, gleich beim ersten Mal mit Gästen fahren. Das war ausgesprochen stressig und unangenehm. Bei AIDA konnte ich die meisten Touren erst einmal als Schlussmann mitmachen oder erkunden und kennenlernen. Beim zweiten Mal, dann mit Gästen, war es wesentlich entspannter.
  11. Sicherheit: AIDA verlangte ein einwöchiges Sicherheitstraining und die italienische Aufstiegsuntersuchung und durchsuchte vor jedem Ablegen das gesamte Schiff systematisch. Zwar gab es mit den AIDA-Scuddies immer wieder Unfälle, aber die lagen (genau wie die meisten Radunfälle) an der Dummheit der Gäste. Die Anforderungen bei TUI waren weit weniger hoch, und dort wurden Gäste wider besseres Wissen auf lebensgefährliche Vehikel gestellt, nur damit TUI noch mehr abkassieren konnte (siehe „Der Scooter-Skandal“). AIDA hat verkehrsunsichere Fahrzeuge ausgemustert und ersetzt.
  12. Gesundheit/Umweltschutz: Die AIDAnova wird bekanntlich mit dem sauberen Flüssigerdgas betrieben. AIDAprima und AIDAperla haben zumindest Partikelfilter. Bei TUI nichts von alledem. Da lagen immer mal wieder hochtoxische Rußknollen auf den Sonnenliegen. Die Gäste sind ja nach einer, spätestens zwei Wochen wieder zu Hause. Aber der Gedanke, sechs Monate von einer Giftgaswolke umhüllt zu sein, hatte etwas Beunruhigendes. Zwar hat auch TUI zwei LNG-Schiffe geordert, aber die sollen erst 2024 und 2026 geliefert werden. Also sechs Jahre Rückstand auf AIDA.
  13. Internet: Bei TUI durften wir vom Büro-PC aus inoffiziell online gehen. Immerhin. Bei AIDA waren die PCs im Aufenthaltsraum online, und zusätzlich bekamen wir immer wieder Internet-Vouchers für unsere mobilen Endgeräte.
  14. Ausflüge: Bei TUI durfte ich „nur“ Radtouren machen. Bei AIDA durfte ich immer mal wieder auch auf Bustouren mitfahren. Das hat sich manchmal wie Urlaub angefühlt.

Eindeutig für TUI spricht eigentlich nur die Privatsphäre auf den Kabinen. Beim Räderschieben und bei der Arbeitszeit herrscht per Saldo Gleichstand. Beim Gehalt hat je nach der steuerlichen Situation die eine oder die andere Reederei die Nase vorn. Also einen Punkt für TUI, dreimal unentschieden, und zehn Punkte für AIDA😮 Ein so deutliches Ergebnis hatte selbst ich nicht erwartet. Aber AIDA ist nun mal das Original und TUI die Kopie.

Hätte ich allerdings TUI mit MSC verglichen, wäre vermutlich TUI der strahlende Sieger gewesen😉

6 Gedanken zu „AIDA und TUI im Vergleich“

  1. Hallo Stefan wir waren mit dir 2017 in Athen daher weiß ich zumindestens bei TUI wen du meinst.Respekt für deine Zeilen. Fährst du im Moment noch auf einem Schiff mit?

    1. Hallo Robert,
      du hattest ja kürzlich angerufen. Es freut mich, dass du dich nach so langer Zeit noch an mich erinnerst. Ich war insgesamt dreimal in Athen. Werde dir per Mail ein Bild schicken. Nein, aktuell bin ich an Land. Aber das kann sich ja wieder ändern;-)
      Auch künftig viel Spaß und gute Erholung an Bord welches Schiffs auch immer wünscht dir
      Stefan

  2. Hey Stefan,
    Jan hier ich wollte mal nachfragen da du ja bei aida geblieben bist und ich davon ausgehe dass du weiterhin auf der aidanova bist ob du mir nähere details zu dem Ausflug LANB04
    César Manriques Lanzarote mit dem Pedelec geben kannst da meine eltern icht sicher sind ob sie diesen schaffen wollten wir fragen ob die 600hm am stück sind oder eher verteilt? Vielleicht kannst du dich an mich erinnern und über eine positive Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.
    Lg
    Jan Vockrodt

    1. Hi Jan,
      klar erinnere ich mich an dich. Ich bin zwar nicht mehr bei AIDA, aber an die LAN B04 kann ich mich noch gut erinnern. Bin sie oft genug gefahren. Ich weiß nicht mehr, wie fit deine Eltern sind, aber die Tour hat bisher noch jeder geschafft. Manche Akkus waren bei der Rückkehr zum Schiff leerer als andere 😉 Nach einer kleinen Tour durch die Inselhauptstadt Arrecife besucht man das Museum von César Manrique, der die Insel in vielerlei Hinsicht geprägt hat, und das LagOmar, das (sehr) kurzzeitig dem Schauspieler Omar Sharif gehört hat. Der Höhepunkt, zumindest in geographischer Hinsicht, ist das Castillo Santa Barbara, das auf einem erloschenen Vulkankrater steht. Es geht ziemlich steil hinauf. Nicht alle Teilnehmer trauen sich das zu, obwohl das im „Turbo“-Modus ein Kinderspiel ist. Die warten dann jeweils unten, bis der Rest wieder heruntergekommen ist. Die alte Inselhauptstadt Teguise ist sehr hübsch. Da gibt es für alle eine Pause. Abgesehen vom Castillo geht es am Anfang gemächlich bergauf und hinter Teguise wieder bergab. Am Strand gibt es noch einmal eine Pause. Tipp: Der César-Burger in unserem Stammlokal an der Strandpromenade 🙂 Wer mag, kann natürlich auch baden gehen 🙂
      Euch einen schönen Urlaub und viele tolle Erlebnisse wünscht
      Stefan

      1. Hey
        Erstmal vielen Dank dass du so schnell geantwortet hast und danke für die Tipps schade dass man sich nicht sieht aber ich wünsche dir alles beste und mit AIDA hat bei mir leider nicht geklappt da ich nach dem videointerview aussortiert wurde
        Lg
        Jan

        1. Das ist schade. Und bei „Mein Schiff“, geschweige denn MSC willst du es nicht ernsthaft probieren 😉
          Ich bin jetzt in einem „Traumberuf“ bei einem anderen großen Unternehmen, wo man fast soviel erleben kann wie auf einem Kreuzfahrtschiff. Oder sogar noch mehr 😉
          Mehr dazu in meinem nächsten Blog-Beitrag zu gegebener Zeit. Also immer mal wieder reinschauen!
          Stefan

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