AIDA und TUI im Vergleich

Ihr habt meine Erlebnisse mit AIDA und diejenigen mit TUI gelesen. Die Frage, wer besser ist, dürfte rasch beantwortet sein. Ich wollte es aber ein bisschen genauer wissen und habe deshalb beide Reedereien anhand von 14 Kriterien aus meiner Sicht als Besatzungsmitglied bewertet:

  1. Verpflegung: Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Bei TUI schmeckte nach kurzer Zeit alles irgendwie gleich, und um Getränke außerhalb der Crew-Messe musste man sich selbst kümmern. Bei AIDA war nicht nur das Essen genauso lecker wie dasjenige für die Gäste, sondern wir wurden auch mit Getränken versorgt.
  2. Essenkostenrückerstattung: Gab es bei TUI nicht. Wenn wir unterwegs aßen, mussten wir alles selbst bezahlen. Bei AIDA bekamen wir in Câmara de Lobos kostenlos leckere Sandwiches, und in Costa Teguise waren wir zu den riesigen Cesar-Burgern eingeladen. Bei Touren über fünf beziehungsweise sechs Stunden gab es eine Pauschale von 5 €.
  3. Privatsphäre: Bei TUI hatte man in den Single-Share-Kabinen einen Rückzugsraum, in dem man ungestört war. In den Doppelkabinen bei AIDA nur im Badezimmer.
  4. Kabinen: Dafür waren die Kabinen bei AIDA doppelt so groß, so dass kaum das Gefühl von Platzangst aufkam. Man musste auch das Bett nicht jeden Abend herunter- und am Morgen wieder hinaufklappen, so dass es lüften konnte. Die AIDA-Matratzen waren zwar wie diejenigen bei TUI nur 80 cm schmal, aber doppelt so dick und dadurch wesentlich besser.
  5. Saubermachen: Wurde bei AIDA vom Housekeeping erledigt. Bei TUI musste man sich selbst darum kümmern.
  6. Fahrräder: Bei AIDA mit Riemen, gefederten Sattelstützen, hochwertigen Lenkergriffen und ergonomischen Sätteln. Ach ja, und „Bike Clean“ gab es auch. Bei TUI nichts von alledem.
  7. Räderschieben: Hinausschieben war bei TUI besser, zurückschieben bei AIDA. Bei TUI gab es Helme, Rucksäcke & Co. erst am Morgen vor der Tour. Ironischerweise hatten dort Gäste immer wieder gefragt, ob die Ausgabe nicht am Vorabend möglich sei. War sie natürlich nicht😉 Dort mussten Rucksäcke und Helme immer in Gitterwagen zum Buchungsschalter gekarrt und nach der Ausgabe wieder in den Fahrradraum zurückgebracht werden.
  8. Arbeitszeiten: Bei TUI offiziell zehn Stunden am Tag (meistens weniger), bei AIDA acht (meistens mehr).
  9. Gehalt: Brutto mehr bei AIDA (1.700 €), netto mehr bei TUI (1.650 €). Aber nur, wenn man keinen steuerlichen Wohnsitz in Deutschland mehr hat. Sonst ist man verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Tut man das nicht, kann es eine böse Überraschung geben. Aber mal ehrlich: Auf einem Schiff arbeitet man nicht fürs Geld, sondern für das Erlebnis.
  10. Erkundungsfahrten: Bei TUI musste ich viele Touren, die ich nicht kannte, gleich beim ersten Mal mit Gästen fahren. Das war ausgesprochen stressig und unangenehm. Bei AIDA konnte ich die meisten Touren erst einmal als Schlussmann mitmachen oder erkunden und kennenlernen. Beim zweiten Mal, dann mit Gästen, war es wesentlich entspannter.
  11. Sicherheit: AIDA verlangte ein einwöchiges Sicherheitstraining und die italienische Aufstiegsuntersuchung und durchsuchte vor jedem Ablegen das gesamte Schiff systematisch. Zwar gab es mit den AIDA-Scuddies immer wieder Unfälle, aber die lagen (genau wie die meisten Radunfälle) an der Dummheit der Gäste. Die Anforderungen bei TUI waren weit weniger hoch, und dort wurden Gäste wider besseres Wissen auf lebensgefährliche Vehikel gestellt, nur damit TUI noch mehr abkassieren konnte (siehe „Der Scooter-Skandal“). AIDA hat verkehrsunsichere Fahrzeuge ausgemustert und ersetzt.
  12. Gesundheit/Umweltschutz: Die AIDAnova wird bekanntlich mit dem sauberen Flüssigerdgas betrieben. AIDAprima und AIDAperla haben zumindest Partikelfilter. Bei TUI nichts von alledem. Da lagen immer mal wieder hochtoxische Rußknollen auf den Sonnenliegen. Die Gäste sind ja nach einer, spätestens zwei Wochen wieder zu Hause. Aber der Gedanke, sechs Monate von einer Giftgaswolke umhüllt zu sein, hatte etwas Beunruhigendes. Zwar hat auch TUI zwei LNG-Schiffe geordert, aber die sollen erst 2024 und 2026 geliefert werden. Also sechs Jahre Rückstand auf AIDA.
  13. Internet: Bei TUI durften wir vom Büro-PC aus inoffiziell online gehen. Immerhin. Bei AIDA waren die PCs im Aufenthaltsraum online, und zusätzlich bekamen wir immer wieder Internet-Vouchers für unsere mobilen Endgeräte.
  14. Ausflüge: Bei TUI durfte ich „nur“ Radtouren machen. Bei AIDA durfte ich immer mal wieder auch auf Bustouren mitfahren. Das hat sich manchmal wie Urlaub angefühlt.

Eindeutig für TUI spricht eigentlich nur die Privatsphäre auf den Kabinen. Beim Räderschieben und bei der Arbeitszeit herrscht per Saldo Gleichstand. Beim Gehalt hat je nach der steuerlichen Situation die eine oder die andere Reederei die Nase vorn. Also einen Punkt für TUI, dreimal unentschieden, und zehn Punkte für AIDA😮 Ein so deutliches Ergebnis hatte selbst ich nicht erwartet. Aber AIDA ist nun mal das Original und TUI die Kopie.

Hätte ich allerdings TUI mit MSC verglichen, wäre vermutlich TUI der strahlende Sieger gewesen😉

AIDAnova ahoi!

Sechs Monate auf dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt

So groß, sie passt kaum aufs Bild😉 Die AIDAnova vor Fuerteventura.


Schifffahrt für Landratten

Nachdem es bei TUI nur für kurze Zeit und bei MSC überhaupt nicht geklappt hatte, wollte ich es noch einmal wissen. Und zwar als Biking Guide bei AIDA. Die nehmen natürlich nicht jeden. Deshalb durfte ich zu einem zweitägigen Assessment im oberbayrischen Schliersee reisen. Dort bekam man erst einmal jede Menge Informationen: Vertragsdauer, Arbeitszeiten, Gehalt, AIDA-Werte, Leben an Bord… Als nächstes musste man sich selbst vorstellen. Dann stand ein praktischer Test auf dem Programm: Fahrräder reparieren. Ich musste einen Schaltzug wechseln. Bei meinen künftigen Kollegen war es eine Kette oder ein Schlauch. Fast alle haben den Test bestanden. Eine junge Frau scheiterte an der Frage nach dem Luftdruck. Sie hätte als Kinder- und Jugendbetreuerin aufsteigen können, weil sie in diesem Bereich Vorkenntnisse hatte, aber das wollte sie nicht. Nur Sozialkompetenz war kein Kriterium, wie ich später feststellen sollte (siehe unten). Die Freude wurde auch nicht dadurch getrübt, dass meine Gesprächspartner, darunter Shore Operations Manager André, mich als Hiking und nicht als Biking Guide einstellen wollten. Wandern ist mein zweites Hobby.


Die schwimmende Stadt

Nun stand die brandneue AIDAnova kurz vor der Indienststellung. Mich haben die großen Pötte schon immer fasziniert. Das neue Flaggschiff ist 337 m lang, 42 m breit, 63 m hoch und 8,6 m tief. Es hat eine Bruttoregisterzahl (BRZ) von 183.900, 20 Decks, maximal 6.654 Gäste und über 1.500 Besatzungsmitglieder. Gemessen an der Passagierzahl ist es das größte Kreuzfahrtschiff der Welt. Klar, dass für mich nur die Nova in Frage kam😉 Auch die AIDA-Zentrale war damit einverstanden😊

Die Größe soll aber nicht über die inneren Werte hinwegtäuschen. Die AIDAnova ist nämlich auch nach Einschätzung des Naturschutzbundes NABU das umweltfreundlichste Kreuzfahrtschiff der Welt. Und zwar weil es nicht mit Schweröl oder Schiffsdiesel, sondern mit flüssigem Erdgas (Liquified Natural Gas, LNG) angetrieben wird. Das ist zwar ebenfalls fossilen Ursprungs, verbrennt aber sauber und erzeugt weniger CO2. Unser Kapitän Boris Becker musste erst den LNG-Führerschein machen, bevor er unser Schiff steuern durfte. Weil es den für Kreuzfahrtschiffe bisher nicht gab, musste er auf einem LNG-Tanker lernen😂


Spaß mit Sicherheit

Bei TUI hatte ich nach meinem Aufstieg an Bord mehrere Sicherheitseinweisungen gemacht. Die wurden aber von AIDA nicht anerkannt. Ich musste wie jeder Andere auch ein einwöchiges Sicherheitstraining entweder in Hamburg oder in Rostock machen, für das ich den verbleibenden Teil meines Thomas-Cook-Urlaubs opferte und extra von Kreta nach Berlin-Tegel flog. Ich entschied mich für Rostock, weil ich dort über AirBnB eine günstige Unterkunft in der Nähe des Aus- und Fortbildungszentrums (AFZ) fand.

Die Teletubbies im Hafenbecken😂

Der Kurs beinhaltete u.a. widerspenstige Gäste zu den Rettungsbooten führen, Feuer löschen, durch die „Bauschuttröhre“ rutschen, erste Hilfe leisten und im Neoprenanzug im Hafenbecken plantschen. Das hat am meisten Spaß gemacht. Es war alles sehr locker, sogar die Prüfung. Wir waren 34 Teilnehmer, also eigentlich zu viele für einen Kurs. Alle gut drauf, witzig und gut gelaunt. Am letzten Tag brachte ich meinen unterschriebenen Arbeitsvertrag höchstselbst zur AIDA-Zentrale.


Das gläserne Gefängnis

Meine AIDAphorie wurde erst einmal durch „Sie werden voraussichtlich überwiegend im Klettergarten eingesetzt.“ aus Rostock gedämpft. Eigentlich wollte ich anheuern, um in jedem Hafen an Land zu gehen, fremde Länder zu sehen und mir den Duft der großen weiten Welt um die Nase wehen zu lassen, und nicht um die Häfen aus dem Glasaufbau von Deck 18 aus zu betrachten😯

Die Blauhelme im Kletterwald😉

Wohl oder übel musste ich einen Kletterkurs machen. Der fand in einem Kletterwald in der Nähe von Leipzig statt und hatte zwei Teile: drei Tage Betreuer und drei Tage Retter. Als Betreuer darf man den Gästen an Bord die Klettergurte anlegen und die Sicherheitseinweisung machen. Als Retter darf man sie außerdem abseilen, wenn sie nicht mehr weiterkommen. Es gab für beide Teile je eine schriftliche und eine praktische Prüfung. Den Betreuer haben alle zwölf Teilnehmer bestanden. Vier Kollegen sind danach gleich wieder abgereist. Beim Retter bin ich als einziger von den übrigen acht durch die praktische Prüfung gefallen😯 Mit ungeahnten Folgen, wie sich später zeigen sollte😉


Der Rohbau

Sechs Tage vor dem geplanten Aufstieg erfuhr ich, dass es mit dem neuen Schiff Probleme gäbe: Es sei noch nicht fertig, und an Bord sei ein Feuer ausgebrochen, so dass sich die Testfahrten verzögerten und alle Vorjungfernfahrten abgesagt wurden. Die Gäste bekamen ihr Geld zurück und 50% Rabatt auf ihre nächste Kreuzfahrt, und die Meyer-Werft in Papenburg musste eine Vertragsstrafe an AIDA bezahlen. Die Rede war von einer halben Million Euro.

16 Stunden nach der Rückkehr aus dem Kletterwald ging es schließlich los. Weil das Schiff sich noch auf einer Testfahrt in der Nordsee befand, wurden wir für drei Nächte im ausgesprochen noblen Van-der-Valk-Hotel in Groningen in den Niederlanden untergebracht. Dort erhielten wir weitere Sicherheitseinweisungen, bevor es endlich aufs Schiff ging. Die AIDAnova lag in Eemshaven an der Emsmündung und war noch immer eine große Baustelle. Überall Handwerker, Werftarbeiter, Kontraktoren und Kollegen, Baumaterial, Werkzeuge, Abdeckungen, Schmutz und Lärm. Auch wir durften gleich Overalls und Sicherheitsschuhe anziehen und beim Beladen helfen. Palette um Palette wurde mit riesigen Kränen an Bord gebracht und Schachtel um Schachtel in einer Menschenkette vom einen zum nächsten weitergereicht: Souvenirs, Bekleidung, Körperpflegesachen, Handtücher, Mülleimer, Aschenbecher, Sektkühler, Ersatzmatratzen, Spielsachen, Bademäntel usw.

In drei Wochen sollen die ersten Gäste kommen…

Weil so viele Sachen eingeladen werden mussten, wurden sogar Nachtschichten eingeführt. Meine Kollegen, die nachts antreten mussten, freuten sich besonders über die Tests der Lautsprecheranlage und der Alarmsignale am nächsten Morgen😉 Ich wurde von 1.00 bis 7.00 Uhr eingeteilt😵 Deswegen hatte ich mich am Nachmittag eine Stunde aufs Ohr gelegt. Kaum war ich wieder auf, erfuhr ich, dass vergeblich gedöst hatte: Es war bereits alles eingeladen. AIDAnova fully loaded, sozusagen😉

Während der Liegezeit bekamen wir auch Destinationsschulungen über unsere nächsten Häfen. Die fanden im Aufenthaltsraum auf Deck 2 statt und waren teilweise so krass, dass es schon wieder lustig war: Von oben hat es gehämmert, von unten gedröhnt, aus den vorderen Lautsprechern kam andere Musik als aus den hinteren, vor allem der unerträgliche „Clap Song“, der uns den letzten Nerv geraubt hat, und zwischendrin immer wieder Durchsagen von der Brücke😩

Außerdem durften wir die Nummernschilder aller Kabinen und die Wegweiser dorthin überprüfen und die Kleber in den Badezimmern und an den Balkontüren austauschen. Immerhin gab es abends kostenlose Pendelbusse ins nahegelegene Groningen. Natürlich hatte niemand daran gedacht, dass vor dem Blackout-Test jeder, der nur irgendwie konnte, in die Stadt wollte, so dass nicht mehr Busse bestellt worden waren als sonst auch. Es kam zu tumultartigen Szenen an der Haltestelle. Ich stand anderthalb Stunden in der Kälte, bevor ich endlich mitkonnte. Danach wurde ein Ticket-System eingeführt.

Eines Nachts, ich lag in meiner Koje, begann es um 23.00 Uhr zu rumpeln. Aber kräftig und minutenlang. Es war ein Ankertest. Keine Ahnung, warum dieser nachts stattfand. Unsere Kabinen liegen vorn auf Deck 6 und damit fast Wand an Wand mit der Ankerkettenrolle. Stahl leitet Körperschall sehr gut. Das vibrierte, dröhnte und ratterte, dass man selbst mit Ohropax dachte, das Schiff fiele auseinander. Der Test ging dreimal schief und musste deshalb auch ein viertes Mal wiederholt werden😯 Glücklicherweise brauchten wir auf den Kanaren, auf Madeira und im Mittelmeer den Anker nicht, weil wir stets im Hafen lagen.

Manövrierunfähig? Ganz im Gegenteil: die Strecke unserer Testfahrt

Erstaunlicherweise spürte man auch bei ziemlich ruhiger See, dass der Kahn sich bewegt. Zickzackfahren, Höchstgeschwindigkeit testen und nächtliche Lärm- und Vibrationsmessungen waren für uns harmlos. Der LNG-Blowup-Test verlief negativ. Zumindest ist das Gas nicht explodiert😉 Dann wurden die Alarmsirenen zwei Stunden lang getestet. Alle paar Minuten tutete es.

Durchsagen von der Brücke erfolgen normalerweise zweisprachig deutsch und englisch. Dass man den Müll nicht in den Treppenhäusern und Quergängen verstecken dürfe, sondern zur Sammelstelle auf Deck 3 bringen müsse, wurde zusätzlich auch auf Russisch durchgegeben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt😉

Die Baustellenphase endete offiziell am 12. Dezember, als wir in Bremerhaven anlegten. Dort fand die formelle Übergabe des Schiffes von der Werft an die Reederei statt, verbunden mit dem Wechsel der bisherigen deutschen auf die italienische Flagge.

Ein feierlicher Moment😊


Das leidige Geld

Als das Schiff fast fertig war, hatte sich hoher Besuch angesagt. Ganz hoher. Der höchste. Der Herr nennt sich Micky Arison und ist seines Zeichens Präsident von Carnival. Das ist keine Narrenzunft, sondern ein Kreuzfahrtkonzern, zu dem auch AIDA gehört. Sein Privatvermögen soll nicht 8 Millionen, sondern Milliarden Dollar betragen😮

Ich weiß auch, wie er zu seinem Vermögen gekommen ist. Zumindest teilweise, denn sein Firmenimperium knapst und knausert an unseren Spesen:

  • Die Reise-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten für das Assessment in Schliersee musste ich selbst bezahlen.
  • Ebenso Hin- und Rückreise zum Sicherheitstraining in Rostock und Unterkunft, Frühstück und Abendessen. Nur das Mittagessen war inbegriffen. Die Kursgebühr von 455 € übernimmt AIDA, wenn man seinen Vertrag erfüllt.
  • Auch Mittag- und Abendessen während des Kletterkurses bei Leipzig hat AIDA nicht bezahlt, sondern lediglich Übernachtung, Frühstück und die Reisekosten, natürlich auch diejenigen nach Groningen. Es hat allerdings vier Monate und die tatkräftige Unterstützung unseres hilfsbereiten HR-Managers Matthias an Bord gebraucht, bis meine 409 € endlich da waren😊
  • Der Kletterkurs dauerte sechs Tage und fand vor Vertragsbeginn statt. Aus Rostock hieß es, mein Vertrag könne nicht mit dem Kurs beginnen, sondern nur mit dem Aufstieg auf ein Schiff. (Er begann allerdings mit meiner Reise nach Groningen, wo ich drei Tage im Hotel übernachtete, bevor es an Bord ging, siehe oben.) Die Reise von der Schweiz nach Leipzig und zurück dauert gut und gerne jeweils noch einen Tag. AIDA wollte mir zunächst nur sechs bezahlte Urlaubstage gutschreiben. Erst nach meiner nachdrücklichen Bitte wurden daraus acht.

In meinem Arbeitsvertrag stand ein Gehalt von 1.700 €. Hinzu kamen noch Urlaubsgeld und Trinkgelder. Zusätzlich erhielten wir Essenkostenpauschalen für die Tage, an denen wir auf langen Touren waren. Weil die Verträge von AIDA bzw. der Manning-Agentur Air Sea Holidays GmbH nach italienischem Recht sind, werden die dortigen Steuern und Sozialabgaben abgezogen. Das sind rund 16%. Unsere Soll-Arbeitszeit lag theoretisch bei 8 Stunden pro Tag. Darin nicht inbegriffen war das Zurückschieben der Räder und das Aufräumen des Fahrradraums nach den Touren.

An Bord habe ich einen Indonesier näher kennengelernt und von ihm interessante Dinge erfahren: Er verdient als Kellner 900 US-Dollar, also ungefähr 800 € im Monat, und zwar ohne Abzüge. Indern werden 5%, den Filipinos 10% abgezogen. Er sagte, zu Hause würde er nur ungefähr ein Viertel so viel verdienen. Zudem wird dort darauf geachtet, dass von jeder Familie nur einer eine Arbeit bekommt, damit alle Familien einen Ernährer haben. Natürlich schickt er, wie alle Asiaten an Bord, den Löwenanteil seines Gehalts nach Hause. Auf dem Schiff hat er ja kaum Ausgaben. Da er Moslem war, fragte ich ihn natürlich auch nach der Mehrehe. Er sagte, diese sei zwar erlaubt, aber nur, wenn die erste Frau einverstanden sei. Warum sie das sein sollte? Zum Beispiel wenn sie keine Kinder bekommen könne. Er empfahl mir, eine asiatische Frau zu suchen😉 Interessanterweise waren zwei meiner Kolleginnen mit Filipinos und eine weitere mit einem Inder zusammen. Wenn man bedenkt, dass normalerweise westliche Männer Frauen aus Asien nehmen, herrschte bei uns an Bord die volle Gleichberechtigung😉

Bei unseren wöchentlichen Sitzungen kamen immer auch unsere Zahlen zur Sprache. Wenn wir unser Budget zu 106% erfüllt hätten, wäre der Anteil über 100% verdoppelt worden. Wir hätten also 12% mehr Gehalt bekommen. Das sollte uns motivieren, hatte aber zwei große Haken: Erstens waren wir nur einmal bei knapp über 100%, und zweitens hebt die Zentrale in Rostock ganz einfach das Budget für den nächsten Monat an, falls man doch einmal darüberliegt…


Auf dem Wasser zu Hause

Wir waren in Doppelkabinen untergebracht. Diese waren zwar nur ungefähr 7,5 m2 groß, aber das war im Vergleich zu den Single-Share-Kabinen bei TUI riesig. Der großzügigere Raumeindruck blieb auch bestehen, wenn man sich zu zweit in der Kabine aufhielt. Die Betten waren zwar nur 80 cm schmal, aber die Matratzen 20 cm dick. Trotzdem schlief ich regelmäßig schlecht. Die Doppelkabinen hatten den weiteren Vorteil, dass man sich nicht so allein fühlte und entweder klopfen oder den Kabinenkollegen suchen konnte, wenn man seine Crew-Karte, die auch als Kabinenschlüssel diente, drin vergessen hatte. Außerdem erfuhr man vom Kollegen mitunter Dinge, die sonst an einem vorbeigegangen wären. Unsere Kabinen wurden vom Housekeeping saubergemacht😊 Als ich die netten Filipinos bat, die (nicht vorhandene) Minibar zu füllen, schauten sie etwas ratlos aus der Wäsche😉

Ich schlief natürlich oben😉

Nur die Betten mussten wir selbst abziehen und die Bezüge sowie die Handtücher alle zwei Wochen zur Wäscherei bringen, wo wir gegen Unterschrift neue bekamen. Unsere eigenen Kleider mussten wir selbst waschen. Unsere supermodernen Maschinen brauchten nicht einmal Waschmittel, sondern das wurde automatisch dosiert. Die Uniformen, die einen RFID-Chip beinhalteten, lieferte ein vollautomatisches Fließband, wenn man die Bordkarte an den Leser hielt. Soweit die Theorie (siehe unten).

Was wohl diesmal dabei herauskommt?😉

Mein erster Kabinenkollege Tobi hatte – die Welt ist klein – letztes Jahr auf der „Mein Schiff 5“ in dem Moment als Ausflugsexperte angeheuert, als ich abgestiegen war. Er hatte es dort immerhin vier Monate ausgehalten. Ihm gefielen weder die „Mein Schiff 5“ noch die Arbeitsatmosphäre. Letzteres konnte ich sogar verstehen😉 Auch auf der AIDAnova blieb er nicht lange, weil er an Weihnachten zu Hause sein und dann mit der AIDAbella nach Südostasien wollte.


Verköstlichung

Das Essen in der Crew-Messe war hervorragend😊 Weit besser jedenfalls als auf der „Mein Schiff 5“ und auch leckerer als bei meinem Kurzbesuch auf der AIDAprima im September😊 Zum Frühstück gab es jeden Morgen u.a. frische Brötchen. Das einzige Problem dabei: Selbst wenn man den ganzen Tag auf Tour war, durfte man keine belegten Brötchen mitnehmen. Zumindest nicht offiziell, was die Kreativität beim Schmuggeln am Küchenchef vorbei nur noch beflügelt hat😉 Unsere Gäste konnten leckere Imbisspakete für 6,90 € bestellen. Die Wandergäste bekamen sogar eines ohne Aufpreis. Nur wir Biker nicht. Auch nicht für Touren von sechs oder mehr Stunden. Wenn wir vergessen hatten, die Essenskostenrückerstattung zu beantragen, mussten wir uns auf eigene Kosten verpflegen😯

Bevor die ersten Gäste eintrafen, durften wir mehrere Restaurants testen, darunter das Markt-Restaurant, das „Bella Donna“, das „Casa Nova“, das „Ocean’s“ und den „Yacht Club“. Trotz begrenzter Kapazitäten war ich sogar zweimal in der „Time Machine“. Das war neben dem dreigängigen Abendessen eine virtuelle multimediale Zeitreise in einem U-Boot nach Atlantis. Nur die Jongleure passten nicht dazu. Beim zweiten Mal war meine ganze Abteilung in die „Time Machine“ eingeladen. Für Gäste kosteten die Vorstellungen einen Aufpreis.

So sieht also eine Zeitmaschine aus😉

Kein Essen ohne Trinken. Außerhalb der Crew-Messe bekamen wir kostenloses Flaschenwasser. Und nicht nur das: Immer mal wieder konnte man sich auch Dosen mit Pepsi, Mirinda oder 7-Up mitnehmen.


Bordleben

Auf einem Schiff arbeitet man nicht nur, sondern man lebt da. Deshalb gab es für die Besatzung einige Abwechslung. Je größer das Schiff, umso mehr: Im Aufenthaltsraum gab es einen Großbildfernseher, Tischfußball, PCs, Bücher, Flipperkästen und ein E-Piano. Das Zentrum des Nachtlebens war unsere Crew-Bar. Wir hatten ein eigenes Fitness-Studio, eine Sauna und ein Crew-Deck mit Blubberbad. Neuerdings können auch wir ungestreiften Besatzungsmitglieder im Shanty-Chor mitsingen, der bis dahin den Offizieren vorbehalten war. Trotz kostenloser alkoholischer Getränke tun das allerdings die wenigsten. Ich war natürlich sofort mit von der Partie😊 Wir können auch die Shows im Theatrium, den „Cube“ oder die Rockbox besuchen. Natürlich ist das trotzdem kein Vergleich zum Land- bzw. Stadtleben. Andererseits: Wie oft gehen wir zu Hause aus? Nutzen wir die tausend Möglichkeiten wirklich?

Für unser Schiff wurde eigens die Hymne „Off We Go“ komponiert, die mit Solisten, Chor und Tänzern einstudiert wurde. 200 Sänger hätten eigentlich einen starken Dirigenten gebraucht, aber wir hatten gar keinen. Die Choraufnahmen fanden in der Penthouse-Suite 12306 statt. Das allein wäre bereits Grund genug gewesen zum Mitmachen😉 Es gab auch Videoaufnahmen: https://youtu.be/rNI6G2ILipE.

Die Moderation machte Janine. Sie hatte in einem gewagten Kostüm bereits die Schiffstaufe moderiert, erfreut sich offenbar einer gewissen Prominenz und leitete unser bordeigenes Filmstudio, das erste an Bord eines Kreuzfahrtschiffs. Bei den Videoaufnahmen motivierte sie uns mit: „Wir haben hier Spaß. Wir sind ja bei AIDA und nicht bei ‚Mein Schiff‘!“ 😀 Beim zweiten Teil unseres Videodrehs schlug sie (allerdings nur an meine Kollegen und mich gerichtet) vor, auf dem Schiff eine Samenbank für fortpflanzungsfreudige Frauen einzurichten😂


Ménage à trois

Mein zweiter Kabinenkollege hieß Jonn, war 21 und führte die Stehpaddel-Ausflüge. Ich stand morgens stets vor ihm auf. Um ihn nicht zu wecken, schaltete ich nicht die Deckenbeleuchtung der Kabine ein, sondern nur das Schreibtisch- oder das Badezimmerlicht. Einmal lagen Kleider auf dem Stuhl, den ich zum Hinabsteigen aus dem oberen Bett verwende. Darunter standen rosarote Turnschuhe. Ich dachte mir nichts dabei und ging ins Badezimmer. Von dort aus hörte ich, dass die Kabinentür ins Schloss fiel. Seltsam. Hatte Jonn verschlafen und die Kabine panikartig verlassen? I wo! Er schlief ganz friedlich. Dafür waren die Kleider und die Schuhe verschwunden. Er wollte nicht so recht damit herausrücken, mit wem er die Nacht in seiner schmalen Koje verbracht hatte, und es ging mich auch nichts an😉 Ein paar Nächte später hatte er erneut Damenbesuch. Ich schlafe zwar stets mit Ohropax, aber diesmal bin ich aufgewacht. Ich hätte natürlich kurz den Vorhang öffnen können, um zu sehen, wen er sich angelacht hatte, aber man ist ja diskret😉 Diesmal verschwand die Dame noch in der Nacht.

Nach der dritten heißen Liebesnacht meines Kabinenkollegen lagen wieder Kleider auf dem Stuhl, und die rosaroten Turnschuhe standen erneut auf dem Teppich. Diesmal ist niemand panikartig geflüchtet, im Gegenteil: Es lag sogar die Crew-Karte der Inhaberin auf dem Tisch. Die Hemmschwelle, sie umzudrehen, war gering: Es war eine Scout-Kollegin. Beim vierten Mal trug sie ein geblümtes Top und Stiefeletten. Beide sind inzwischen abgestiegen. Meine noch ungeöffnete Aloe-Vera-Sonnencreme für 5,40 € hat er mitgenommen😠

Sein Nachfolger war der 35jährige René. Er ließ seine Schuhe überall in der Kabine herumstehen und das Licht brennen. Einmal fand ich auf dem obersten Regalfach ein verschimmeltes Sandwich aus einem Vesperpaket von einem seiner Ausflüge😮 Manchmal warf er bereits frühmorgens seine Musikbox an. Keine Ahnung wieso😉 Er hatte sich ebenfalls eine Kollegin angelacht. Bei dieser war er der Nachfolger eines bereits abgestiegenen Kollegen. Alle drei Wassersportler. Vielleicht sollte ich umsatteln😉 Bei den beiden fiel fast jeden Tag die Tür ins Schloss, nachdem ich aufgestanden war, René aber noch nicht. Als ich einmal nachmittags in die Kabine kam, hörte ich ihn schnarchen und arbeitete leise an meinem Laptop, um ihn nicht zu wecken. Nachdem sein Wecker geklingelt hatte, stand er auf. Umso überraschter war ich, als aus seinem Bett plötzlich ein fröhliches „Hallo Stefan!“ ertönte😮 Es war sein Betthäschen. René ist eine Woche vor mir abgestiegen.

Mein vierter Kabinenkollege hieß Vinay, war Inder und arbeitete als Fotograf. Er war der Freund einer Scout-Kollegin, die nach meinem Auszug zu ihm gezogen ist. Auch mit ihm kam ich gut bis sehr gut aus😊


Die Sache mit der Sicherheit

An Bord war einmal im Monat HESS-Rundgang. Da inspizierten die ranghöchsten Offiziere, ob alles den Vorschriften über Gesundheit, Umweltschutz und Sicherheit (Health, Environment, Safety and Security) entsprach. Das hieß, dass alle Chemikalien angeschrieben und richtig gelagert sein mussten. Und dass sich bei uns keine verderbliche Ware befinden durfte. Auch nicht unsere Energieriegel, die wir den Fahrradgästen mitgaben. Deshalb wurden diese vor der Inspektion in Sicherheit und danach wieder an ihren gewohnten Ort gebracht. Mit vollem Wissen der hohen Offiziere😉

Dann war RAAS-Audit angesagt. Wofür das steht, wusste niemand so recht, sondern nur, dass dafür schlecht gelaunte und misstrauische Italiener jeden toten Winkel kontrollierten. So auch die Trinkwasserspender in unserem Fahrradraum. Dort hatte sich offenbar ein Algenfilm gebildet. Der gab natürlich Anlass zur Beanstandung.

Und das just vor Andrés Abstieg. Das war unser sehr sympathischer Shore Operations Manager. Während eines Meetings ging es um das Verhalten in fremden Ländern. André wollte eigentlich sagen, dass urinieren an öffentlichen Stränden nicht angezeigt sei. Stattdessen sagte er „onanieren“ und hatte damit die Lacher auf seiner Seite😂

An den Wechseltagen mussten die Gäste eine gesetzlich vorgeschriebene Seenot-Rettungsübung mitmachen. Das klingt nach mehr, als es war. Sie mussten nämlich nur mit ihrer Rettungsweste zu ihrem Sammelplatz. Dazu dienten diverse Restaurants und das Theatrium. Damit es nicht zu einfach wurde, verwendet man für die Treffpunkte aber nicht die Namen der betreffenden Örtlichkeiten, sondern Buchstaben. Mit der Folge, dass man zigmal von Gästen gefragt wurde, wo Musterstation A, B, C … läge. Ich bin fast sicher, dass das spätestens nach dem nächsten Untergang eines Kreuzfahrtschiffs, bei dem die Gäste ihre Sammelplätze nicht rechtzeitig gefunden haben, geändert wird😉 Weil das Rettungsboot, das meinem Sammelplatz zugewiesen war und sich auf der Steuerbordseite befand, schon ohne mich voll war, musste ich mit einer MES (Marine Evacuation System) vorliebnehmen. Das sind aufblasbare Floße. So weit, so schlecht, aber meines befand sich auch noch backbord. Offenbar rechnete niemand ernsthaft damit, dass ich bei Feuer, Rauch und Panik noch einmal quer übers Schiff gemusst hätte😩

Die Besatzung musste 15 Minuten vor Beginn der Sicherheitsübungen für die Gäste an den Sammelplätzen sein. Dummerweise gingen die Gäste bereits gleichzeitig mit uns los, verstopften die Treppenhäuser und Gänge und setzten sich in die Restaurants, bevor wir mit den Scannern an den Eingängen standen😞 Die Bordkarten der Gäste wurden eingescannt, und sie bekamen so ähnliche Sicherheitshinweise wie im Flugzeug samt Demonstration der Rettungsweste. Einige Gäste verpassten den Termin auch. Die wurden dann über Lautsprecher ausgerufen. Einmal ertönte mein Name😦 Ich war zwar da, hatte aber tatsächlich vergessen, mich scannen zu lassen!

Die höheren Sicherheitsanforderungen mögen damit zu tun haben, dass AIDA zu Costa gehört, der Besitzerin der unglückseligen Concordia. Deshalb wurde auch vor jedem Auslaufen das gesamte Schiff systematisch nach verdächtigen Personen und Objekten durchsucht. Wer wirklich eine an Bord geschmuggelte Bombe an Bord verstecken wollte, würde natürlich trotzdem einen Platz finden. Ein Schiff hat einfach zu viele dunkle Ecken.

Für unsere feuergefährlichen Fahrrad-Akkus hatten wir spezielle brand- und alarmgesicherte Ladeschränke. Einmal ging einer nachts los, weil die Tür sich durch den Seegang etwas bewegt hatte, so dass die Gäste der darüberliegenden Kabinen auf Deck 4 sich beschwerten. Der Feuerwehrmann klebte einfach den Sensor mit Panzerband ab😉

Als ich vom Shopping-Center in Las Palmas mit einigen ortstypischen Produkten zurückkam, die ich nach Hause mitnehmen wollte, sagte der sehr nette Security-Mann bereits, dass selbst verschlossene Gläser mit verderblichem Inhalt verboten seien😯 Zum Glück war da unser Bootsmann. Er war ein Original, der das Pensionsalter bereits erreicht haben musste. Er nahm meine vier Gläser, stopfte sie in die Taschen seines Overalls und schmuggelte sie für mich an Bord😊


Mia san mit’m Radl do…

Die Fahrräder von Rose waren nicht schlecht. Zumindest die meisten. Sie hatten hochwertige Ergon-Lenkergriffe, die nicht klebten, die gleichen Terry-Sättel, die ich selbst fahre, und gefederte, also bandscheibenschonende Sattelstützen und die meisten sogar den Gates-Riemenantrieb. Die unverbindliche Preisempfehlung für ein „Xtra Watt“-Pedelec inkl. MwSt lag bei 3.199 €😮 AIDA als Großabnehmer dürfte zwar weit weniger zahlen. Dennoch soll aus Kostgengründen künftig ein anderer Lieferant zum Zuge kommen. Es ist zu befürchten, dass die Qualität darunter leiden wird😳

Dank der AIDA-Stapeltechnik schön ordentlich😊

Nach den Touren brachten wir die Räder sofort wieder an Bord. Sie wurden falls nötig und möglich immer sofort nach den Touren repariert und einmal im Monat systematisch kontrolliert und gewartet. Alles penibel genau auf dem Inspektionsblatt protokolliert. Der Grund: Falls ein Gast mal verunfallen sollte, wollten wir nachweisen können, dass das Rad ordnungsgemäß gewartet war. Da zeigte sich, dass der Hauptsitz unserer Muttergesellschaft in den USA lag.

Es dauerte gar nicht lange, da waren immer mehr Bremsbeläge abgefahren. Die hätten sich leicht ersetzen lassen… wenn wir Ersatz an Bord gehabt hätten. Es schien beinahe unmöglich, Nachschub zu beschaffen. Shimano hatte nur eine statt zwölf Packungen geliefert. Eine Bestellung brauchte mindestens vier Unterschriften. Die bekamen wir offenbar nicht, weil die eine die andere voraussetzte und umgekehrt😳 Deshalb mussten wir die Bremsbeläge aus den wenig gebrauchten Rädern kannibalisieren.

Die hydraulischen Vorderradbremsen zahlreicher Citycrossräder, die kopfüber aufgehängt wurden, leckten. Das mochte damit zusammenhängen, dass unsere Räder an Bord falsch herum hingen, so dass sie beim Rollen des Schiffes aneinanderschlugen. Andere Schiffe hatten mit den gleichen Rädern jedoch dasselbe Problem. Meine Kollegen hatten versucht, die Lecks mit Bändchen abzudichten. Als ich fragte, wofür diese seien, antwortete mein „Lieblingskollege“ Mathias (siehe unten) vorwurfsvoll, wenn ich öfter im Fahrradraum wäre, wüsste ich das.


Radtouren

Dadurch, dass ich die praktische Prüfung zum Retter vermasselt hatte, war ich dem Schicksal, Gefangener im Klettergarten zu sein, knapp entronnen😉 Und weil die Freundin unseres dritten Supervisors bereits als Hiking-Guide eingeteilt war, wurde ich dann doch noch Biker😊

Unser Schiff fuhr im Wochentakt die Route Gran Canaria – Seetag – Madeira – Seetag – Teneriffa –  Fuerteventura – Lanzarote – Gran Canaria. Bereits die erste Erkundungsfahrt auf Teneriffa mit meinen Kollegen war herrlich: Die Sonne, die Wärme, die Landschaft, die Städte, die Bewegung😊 Ich wusste sofort wieder, warum ich diesen Job machen wollte.

Auf der Abfahrt vom Castillo Santa Barbara bei Teguise auf Lanzarote hat mein Tachometer 70,6 km/h angezeigt😮 Kollege Jörg malte mit dem Hinterrad schwarze Streifen auf den Asphalt, und es roch nach verbranntem Gummi😉

Auf Fuerteventura die erste Radtour mit sechs Gästen und fünf Guides. Zum ersten Mal seit drei Monaten konnte ich wieder im Meer schwimmen. Und das während der Arbeitszeit😊 Nur der ständige Wind ließ mich frieren, weil ich meine langen Bike-Trikots noch nicht hatte. Bekommen habe ich sie mit viel Glück erst neun Wochen, nachdem die ersten Gäste an Bord gekommen waren. Unsere Zentrale in Rostock hatte es nicht geschafft, sie an unseren Hafenagenten in Las Palmas zu schicken. Das Problem gelöst hat die Großmutter eines Kollegen, die hier auf dem Schiff Urlaub gemacht und sich unter seiner Vermittlung bereiterklärt hatte, meine Sachen mitzubringen, so dass unsere Zentrale sie zu ihr schickte.

Für die zweite Tour zum Bandama-Krater auf Gran Canaria hatten sich 23 Gäste angemeldet hatten. 20 waren das Maximum für eine Gruppe. Deshalb sollte Kollege Michi mit einer eigenen Gruppe parallel mit mir fahren. Er fühlte sich bei dem Gedanken sehr unwohl. Zu seiner großen Erleichterung sagten drei Gäste ab, so dass wir zusammen mit mir an der Spitze und ihm am Schluss fahren konnten. Abgesehen von einem geschlossenen Café, wo wir Pause machen wollten, und einer gesperrten Straße klappe alles. Auch die Gäste applaudierten am Schluss. Da ging mir immer das Herz auf😊

Der Bandama-Krater auf Gran Canaria

Bei der nächsten Landung auf Madeira hatte ich gleich zwei Pedelec-Touren und deshalb keine Zeit zum Mittagessen. Die erste zur Christusstatue ging besser als die zweite, weil ich sie bereits kannte. So fuhr ich die zweite in der falschen Richtung. Zum Glück kannten die Gäste den genauen Tourenverlauf nicht😉 Bergauf mussten trotz „Turbo“-Modus einige schieben. Umso größer meine Überraschung, als ich bei der Abmoderation vor dem Schiff mein erstes Trinkgeld von 5 € erhielt😮 Irgendetwas musste ich also richtig gemacht haben😊

Die Christusstatue auf Madeira

Auf der Soft-Tour auf Teneriffa war eine Kamerafrau von unserem bordeigenen Fernsehstudio dabei. Die meisten Gäste blieben während der großen Pause am Strand, während wir zu viert 150 Höhenmeter die Bergstraße hinauf zu einem Aussichtspunkt fuhren. Dort gab ich vor der Kamera ein kurzes Interview. Noch bevor ich es gesehen hatte, sprachen mich Gäste darauf an, dass sie mich im Theatrium auf der Leinwand gesehen hätten. Als ich endlich die DVD anschauen konnte, musste ich feststellen, dass die Fernsehkollegin mein schönes Interview völlig verhackstückt hatte😯

Der Las-Teresitas-Strand auf Teneriffa. Im Hintergrund der Teíde😮

Auf Gran Canaria fuhr ich die Tour in der falschen Richtung, weil das Navi diese nicht angab und ich die Route noch nicht kannte😯 Eine Kollegin von der Rezeption, die als Schlussfrau mitfuhr, meinte, die Gäste hätten davon nichts bemerkt. Dann führte die Strecke in das abgezäunte Hafengelände. Ich verzichtete darauf, die Räder durchs Drehkreuz zu quetschen😉 Meine Erklärungen mussten die Gäste wohl ziemlich beeindruckt haben, denn eine Teilnehmerin fragte mich, wie lange ich schon auf Gran Canaria lebte😂

Auf meiner ersten Soft-Aktiv-Tour auf Fuerteventura war ich Schlussmann, während mein Kollege, der die Tour bereits kannte, an der Spitze fuhr. Wer stürzte? Er! Er hat sich zum Glück nur den Arm etwas aufgeschlagen. Und er hat darauf verzichtet, den Vorfall zu melden, weil das sofort zur Carnival-Zentrale nach Miami gehen würde. Wäre ihm binnen zwei Wochen etwas Ähnliches zugestoßen, hätte André uns eine Nachschulung geben müssen, wie man bremst…

Der Rückweg von Caleta de Fuste der Küste entlang zum Schiff zog sich. Erstens gab es keinen Asphalt, sondern nur eine holprige Schotterpiste, zweitens mussten wir gegen den Wind kämpfen, und drittens fing es gegen Ende auch noch an zu regnen. Und das, obwohl auf Fuerteventura im Durchschnitt nur 1/7 so viel Regen fällt wie Deutschland! Die Gäste bekamen Getränkegutscheine als kleine Wiedergutmachung. Eine Woche später wurden wir zum Glück nur leicht feucht. Die Kanaren sind bekanntlich die Inseln des ewigen Frühlings. Da kann schon mal Aprilwetter herrschen😉

Auf der Stadt- und Strandrunde in Santa Cruz auf Teneriffa hätte alles wie am Schnürchen geklappt … wenn da nicht dieser 7 cm lange und 2 mm dicke Kupferstab plötzlich senkrecht in meinem Reifen gesteckt hätte😮 Keine Ahnung, wofür er war und wie er da hineingekommen war. Das Malheur war zum Glück rasch behoben.

Auf meiner Soft-Aktiv-Tour auf Madeira fuhr ich erstmals wie eigentlich angedacht von Câmara de Lobos auf einem kleinen Fußweg zurück nach Funchal. Auf diesem waren normalerweise höchstens Fußgänger unterwegs. Weil er etwas verschlungen war, fuhr ich zum Glück sehr langsam und konnte für die Katze, die mitten auf dem Weg in der Sonne lag, noch rechtzeitig bremsen. Als ich sie aufs Mäuerchen hob, protestierte sie mit lautem Miauen, zur großen Freude der Gäste. Selbst wenn ich ihr hätte ausweichen können, einer meiner Gäste hätte sie bestimmt überfahren. Eine Woche später dasselbe😊

Von einem meiner Gäste erfuhr ich noch eine schöne Geschichte: TUI-Gäste hätten in Norwegen eine Pedelec-Tour gebucht. Aber niemand hätte ihnen gesagt, dass sie nur in der niedrigsten Motorunterstützung fahren durften, weil sonst die Akkus vor dem Ende der Tour leer gewesen wären. Entsprechend sauer seien sie gewesen😂


Zeit zum Arbeiten

Natürlich muss die Arbeitszeit erfasst werden. Dazu stempeln wir uns mit unseren Crew-Karten an speziellen Terminals ein und aus, wodurch unsere tatsächlichen Zeiten elektronisch erfasst werden. Wenn man es nicht vergisst, funktioniert das auch. Aber nicht immer. Unser elektronisches Zeiterfassungssystem wusste bereits am Morgen des 19. Februar, dass ich bis Mitternacht arbeiten würde😃

Auf einem Schiff gibt es keine 40-Stunden-Woche. Aber manche Tage… So wie dieser auf Gran Canaria:

5.15 Uhr aufstehen und duschen
5.30 Uhr Räder abhängen, kontrollieren und für die Sonnenaufgangstour hinausschieben
6.30 Uhr Frühstück
7.00 Uhr Sehenswürdigkeiten lernen
8.20 Uhr Treffpunkt auf der Pier
8.45 Gäste für die Tour einchecken
9.00-14.00 Uhr Einweisung und Tour
14.00-15.00 Uhr Rucksäcke und Helme zurücknehmen und Räder zurückschieben und aufhängen
15.00 Uhr duschen und umziehen
16.30-19.30 Uhr Klettergarten
19.45-20.15 Uhr unseren Bereich nach verdächtigen Objekten, Personen und Tieren durchsuchen
20.15 Abendessen
20.45-21.30 Uhr Seenot-Rettungsübung

Der Dienstplan stimmte nicht immer. Einmal sollte ich an zwei Orten gleichzeitig sein. Irgendwie hat mich das an Thomas Cook erinnert. Mein Chef Mario, darauf angesprochen: „Wie würdest du das denn lösen?“ – „Ich frage meinen Chef.“ Das war natürlich die falsche Antwort: Ich sollte einen Kollegen finden, der für mich einsprang. Das hatte ich den ganzen Nachmittag erfolglos versucht. Nachdem alle Radtouren zurück beim Schiff waren, rief ich meinen Supervisor Fifty (siehe unten) an. Der, in seiner gewohnt unterstützenden, lösungsorientierten und hilfsbereiten Art: „Das weißt du aber nicht erst seit jetzt, oder?“ Ich konnte auch die einzige Kollegin, die frei gewesen wäre, nicht erreichen. Das Problem gelöst hat mein Klettergarten-Kollege, indem er mich aus diesem früher hat gehenlassen.

Unter JP dasselbe Problem. Auch diesmal sollte ich das Problem selbst lösen und einen Kollegen finden, der die Schiffsdurchsuchung vor dem Ablegen für mich zu übernehmen. Ich finde eigentlich, dass Konflikte im Dienstplan von demjenigen zu lösen sind, der sie verursacht hat.

Auf Madeira musste ich um 7.15 Uhr aufstehen, hatte zwei Scuddy-Touren (siehe unten), musste danach mithelfen, die Räder für die Sonnenuntergangstour meines Kollegen vorzubereiten, Dutzende von Rädern zu desinfizieren und hineinzuschieben, dasselbe mit den Scuddys, hatte zwischendrin kaum eine Viertelstunde, um eine Tafel Schokolade zu verdrücken, mich zu duschen und umzuziehen, zwei Unfallberichte zu schreiben, die Einverständniserklärungen der Gäste zu suchen und dann die zurückgekommenen Räder von der Sonnenuntergangstour zu säubern und sie ebenso wie die E-Scooter wieder an Bord zu bringen… 13 Stunden beinahe Nonstop-Arbeit, dazu Bettwäsche wechseln und meine privaten Kleider waschen, trocknen und einräumen😦

Auf Lanzarote nicht viel anders: Um 5.30 Räder für die Sonnenaufgangstour bereitstellen, von der wir um 9.15 Uhr zurückkamen. Helme und Rucksäcke hineinnehmen, brunchen, umziehen, mit dem Pendelbus nach Arrecife in die Stadt fahren, dort drei Stunden lang jeden ankommenden Pendelbus desinfizieren bzw. die einsteigenden Gäste scannen, danach zwei Stunden am Schalter sitzen, eine Stunde lang Helme und Rucksäcke ausgeben und danach noch bis 21.10 Uhr am Meeting teilnehmen. Beim Ausstempeln zeigte das System eine „violation“ an, d.h. einen Verstoß gegen die Arbeitszeitvorschriften der Maritime Labour Convention (MLC). Mein Chef hat diese manuell korrigiert. Zum Glück, sonst hätte AIDA dem italienischen Staat eine Buße bezahlen müssen😉

Hatte ich schon gesagt, dass es an Bord keine 40-Stunden-Woche gibt? Und dass es einem nie langweilig wird?😉 Im Gegenteil: Irgendwie haben wir es an Bord immer eilig. Aber damit sind wir, die deutschen Besatzungsmitglieder, die einzigen. Die Gäste schleichen immer im Zeitlupentempo vor uns her und blockieren die Gangways, so dass man ihnen am liebsten auf die Hacken treten würde. Auch unsere asiatischen Kollegen schlurfen die Gänge entlang, als hätten sie alle Zeit der Welt. Die Einheimischen an Land sowieso.


Wie im Urlaub

Es gab aber auch erholsame Tage. Einmal hatte ich auf Fuerteventura einen Strandtransfer. Das bedeutete, dass ich 28 Gäste für ihren Bus von Puerto del Rosario nach Jandía einchecken und mit ihnen mitfahren durfte. Am Ziel angekommen hatte ich stundenlang Freizeit am Strand. Sozusagen ein Mini-Urlaub😊

Strand bei Morro Jable. Wenn es nur nicht so windig gewesen wäre😯

Von meiner ersten Sonnenaufgangstour auf Lanzarote war ich kurz nach 10.00 Uhr zurück. Mein nächster Einsatz war erst am Nachmittag um 16.00 Uhr. Ein kurzer Anruf, und ich konnte die zweieinhalbstündige Bustour „Der Norden Lanzarotes auf einen Blick“ mitmachen. Sie führte nach Jameos del Agua, einer teilweise eingestürzten großen Vulkanhöhle, die von César Manrique umgestaltet worden war, und in deren See kleine Albino-Krebse leben, und ins Tal der tausend Palmen mit der unvermeidlichen Verkaufsveranstaltung. Immerhin habe ich so wieder etwas Neues kennengelernt.

Die kleinen Albino-Krebse sind auf dem Bild nicht erkennbar😉

Auf Teneriffa war ich sogar offiziell als Hilfsscout für eine Bustour eingeteilt. Das bedeutete, dass ich die Bordkarten aller 52 Gäste einscannen, im Bus bei Abfahrt und Ankunft eine kurze Ansage machen, während der Pause kostenlosen Fisch mit Papas Arrugadas (kleine Salzkartoffeln mit Schale) und Mojo Verde (grüne Paprika-Koriander-Soße) essen und ein Protokoll ausfüllen durfte. Die Tour ging in den Nationalpark Cañadas del Teíde, also leider nur bis zum Fuß des 3.718 m hohen Vulkans. Ich war ja vor sieben Jahren bereits mit der Seilbahn oben gewesen. Beeindruckend war er noch immer.

Der Teíde ist geologisch betrachtet noch ein Baby😉

In Marseille boten wir nur wenige Ausflüge an, weil wir einen Tag früher als geplant ankamen, und das zudem noch am 1. Mai, einem Feiertag. Ich durfte wiederum als Hilfsscout mit nach Aix-en-Provence fahren:

König René, der letzte Graf der Provence und Erfinder der leckeren Calissons😊


Im Klettergarten

Ganz bin ich dem Klettergarten nicht entronnen, vor allem nicht an den Seetagen. Der Eintritt war für die Gäste kostenlos. Das war gleich aus drei Gründen erstaunlich:

  • Erstens verursacht der Klettergarten einen hohen Personalaufwand bzw. bindet mindestens zwei, meistens aber drei Arbeitskräfte.
  • Zweitens lässt so eine Kreuzfahrtreederei normalerweise keine Gelegenheit ungenutzt, um Einnahmen zu erzielen.
  • Drittens ist der Klettergarten während der Schulferien stets ausgebucht, und längst nicht alle, die gerne klettern würden, kommen zum Zug. Das ist besonders ärgerlich, wenn diejenigen, die einen Termin haben, nicht erscheinen und Andere dann ihretwegen nicht hineinkönnen.

Erst kurz vor meinem Abstieg wurde entschieden, dass Erwachsene bald 9,99 € bezahlen müssen.

Termine buchen, Gurte anziehen, Gäste einweisen, sie beaufsichtigen und die Gurte wieder ausziehen waren keine intellektuellen Highlights, aber man konnte zwischendrin den Ausblick aufs Meer genießen. Das war ziemlich entspannt. Außer wenn im Four Elements gerade eine Veranstaltung mit Mikrofon oder Tanzmusik stattfand. Dann musste man bei der Einweisung laut schreien, damit die Gäste einen verstehen konnten. Unser Sicherungssystem im Klettergarten war nahezu narrensicher. Wenn sich ein Gast nicht selbst den Gurt auszog, konnte er nicht abstürzen. Aber einmal hat es einer tatsächlich geschafft, einen Schuh zu verlieren. Ein anderer ließ es sich trotz mehrmaliger Aufforderung seitens meiner Kollegen nicht nehmen, ständig ins Stahlseil zu greifen. Er wurde über unser Rettungssystem abgeseilt. Weil er sich am Seil festhielt, statt meiner Kollegin einen Arm zuzustrecken, landete er im Swimming Pool😂

Fast fertig…

So ein Glashaus kann sich unter südlicher Sonne ganz schön aufwärmen. Es gab zwar eine Klimaanlage, aber die Natur ist im Zweifelsfall stärker. Immer wenn wir die Klappfenster öffnen wollten, hat eine andere Stelle auf dem Schiff sie wieder geschlossen. So stieg die Innentemperatur auf 34°C. Das war das zulässige Maximum, so dass wir alle Gäste hinauskomplimentierten und den Klettergarten hitzebedingt schlossen. Ein anderes Mal war raue See der Grund.

Nach einigen Monaten funktionierte plötzlich die große Uhr im Klettergarten. Noch einige Zeit später bastelten die Monteure an den Rollläden vor den Stangen mit den aufgehängten Klettergurten herum. Seither ließen sie sich ein paar Zentimeter nach oben und unten bewegen. Das nützt uns aber nichts, und wir mussten die Gurte nach wie vor jeden Abend zu Zehnerpacks auf eine Bandschlinge packen, mit einem Karabiner verschließen und durch das Drehkreuz in den Klettergarten schleppen, wo sie übernachteten. Hätten die Rollländen wie geplant funktioniert, hätten wir uns das Abhängen, Auffädeln, Hineinbringen, Herausholen und Aufhängen sparen können.

Gäste, die ich aus dem Klettergarten oder von einer meiner Radtouren kannte, traf ich auf dem Schiff zufällig immer wieder. Der Umgang mit ihnen machte mir Freude. Wenn ich nett und höflich zu ihnen war, waren sie es meistens auch mit mir. Abgesehen von der Schicki-Micki-Mutter im Klettergarten, die sehr ungehalten war, weil ich ihren 1,30 m kleinen Filius nicht hineinlassen wollte. Die Mindestgröße betrug 1,40 m. Es mag ja sinnlose Vorschriften geben, aber diese hatte ihren Sinn, weil Kleinere das Halteseil zum Einsichern nicht erreichen. Die meisten Gäste verstanden das, aber diese Dame beschwerte sich bei meinem Chef Mario, seines Zeichens Activities Manager. Der hat mit ihr vermutlich noch kürzeren Prozess gemacht als ich. (Er kannte übrigens meinen Ex-Chef David von TUI, und ich glaube, er hielt nicht allzu viel von ihm😉) Das Gegenteil waren die Gäste, die meine humorvolle Einweisung besonders mochten und mich baten, mit ihrem Handy einige Bilder zu schießen. Der Dank waren 10 € Trinkgeld. Eine Premiere für den Klettergarten😊

Nun wurde ja auf dem Schiff überall größter Wert auf Hygiene gelegt. Außer im Klettergarten. Die armen Gäste mussten ebenso wie ich die verschwitzten Klettergurte des Vorbenutzers anziehen. Im besten Fall ließen wir sie dazwischen eine Stunde trocknen. Gewaschen wurden sie selten😞


Technik…

Genau wie an Land klappte auch auf einem Schiff mit der tollen Technik nicht immer alles. In unserer Kabine fiel am Anfang das Licht im Badezimmer aus, ebenso die Steckdosen am Schreibtisch, so dass ich dort nicht mehr an meinem Laptop arbeiten und ihn nicht mehr laden konnte. Auch fernsehen ging nicht mehr. Wir haben den Elektriker sofort und mehrfach informiert, aber erst nach fünf Tagen hat er den Sicherungsautomaten wieder zurückgestellt, und alles klappte wieder. Zwei Tage lang. Dann waren wir gleich weit wie vorher. Diesmal allerdings nur für fünf Stunden. Nicht weil der Bordelektriker diesmal schneller gewesen wäre, sondern weil wir unter Verletzung sämtlicher Vorschriften zur Selbsthilfe schritten. Mangels eines Vierkantschlüssels öffnete ich den Sicherungskasten mit meinem Nagelknipser und verschloss ihn auch wieder damit. Das dritte Mal war just in dem Moment, als ich das Netzteil meines Laptops einsteckte. Einmal passierte es sogar bei ausgeschaltetem Laptop.

Einer der Höhepunkte meiner Zeit an Bord war der Test einer Gästekabine. Sie befand sich auf Deck 10 und hatte einen Balkon. Es war unbeschreiblich, nachts bei geöffneter Balkontür dem Rauschen des Meeres und des Windes zu lauschen. Es fühlte sich wie eine echte Kreuzfahrt an😊

Mein neues Zuhause😎 Leider nur für eine Nacht😳

Dafür musste ich prüfen und protokollieren, ob alles funktionierte. Eine andere Kabine hatte einen Wasserschaden. Auch in der Crew-Messe tropfte es von der Decke. Als wir das zweite Mal in der „Time Machine“ waren, erlebten wir auch dort eine Art unfreiwillige Realitätsnähe durch eine leckende Sprinkleranlage an der Decke😉 Aber immer noch besser Wasser von oben als von unten😉

Während der Werftzeit erhielten wir viermal 1 GB kostenloses Datenvolumen. Zumindest theoretisch, denn zwei der Gutscheincodes haben bei mir nicht funktioniert, der dritte war ratzfatz aufgebraucht, obwohl das Internet an Bord immer mal wieder ausfiel, und der Rest des vierten verfiel ohne Vorwarnung mit der Übergabe des Schiffes an die Reederei. Irgendwann bekamen wir wieder 500 MB kostenloses Datenvolumen, die wir während der Liegezeiten im Hafen nutzen konnten, und dann ein weiteres GB. Die meisten Kollegen hatten ihre Datenpakete, die sie dank Wegfall der Roaming-Gebühren in der EU ohne Aufpreis nutzen konnten. Ich jedoch nicht. Die Schweiz gehört nicht zur EU, und die Roaming-Kosten hätten mich aufgefressen. Während der Werftzeit ging ich in die 500 m entfernt liegende Seemannsmission, die ein stabiles kostenloses WLAN zur Verfügung stellte. Auch in jedem unserer Häfen hatte ich ziemlich schnell raus, wo ich mich einloggen konnte.

An den PCs in unserem Aufenthaltsraum hatten wir Internet-Zugang. Auf Gran Canaria gab es ein richtiges Internet-Café in Hafennähe. Einmal habe ich meinen riesengroßen Laptop aus der Kabine ins Einkaufszentrum El Muelle mitgeschleppt, um meine in den letzten drei Monaten angesammelten 532 E-Mails in Outlook herunterzuladen. Kaum war das geschafft, kam auch schon ein Aufpasser, der fand, ich dürfte nicht neben den Geldautomaten auf dem Boden sitzen und meinen Laptop einstecken. Ohne Netzteil war die Batterie sofort leer.

Alles klar?😉

Dann fiel unsere komplette Computertechnik an Bord aus. Wir konnten stundenlang keine Ausflüge buchen, und die Kollegen von der Security mussten jeden, der von oder an Bord gehen wollte, von Hand notieren, was zu langen Schlangen an den Gangways führte.

Aber nicht nur das: Als ich mich auf meiner Fuerteventura-Tour dem Schiff näherte, wunderte ich mich, dass aus dem Schlot schwarzer Rauch aufstieg. Dabei verbrannte unser Treibstoff ausgesprochen sauber. Ich wollte ein Bild machen, aber darauf sah man nicht viel. Unser Kapitänspraktikant gab zerknirscht zu, dass eine der vier Maschinen eine Panne hätte und deswegen mit Diesel hätte betrieben werden müssen. Ingenieure der Herstellerfirma MaK seien an Bord, um das Aggregat zu reparieren.

Zu allem Überfluss war auch noch unser Uniformautomat defekt und spuckte Outfits aus anderen Abteilungen aus. Die Chefin unserer Scouts bekam die Uniform eines Feuerwehrmanns, andere Kollegen bekamen Küchenuniformen. Just zur Karnevalszeit😂

Wenn man bedenkt, wie komplex so ein Schiff ist, wird verständlich, warum es hin und wieder irgendwo hakt. Eigentlich ist es erstaunlich, dass trotz allem das Meiste ziemlich gut funktioniert😉


Rollende Risiken

Auch mit den Rädern klappt nicht immer alles. Auf meiner x-ten Pedelec-Tour auf Lanzarote fiel der Motor nach der Pause in der alten Inselhauptstadt Teguise aus, als wir die Räder dicht an dicht geparkt hatten. Zum Glück ging es von da an fast nur noch bergab. Das Training hat mir nicht geschadet, selbst wenn es unfreiwillig war😉 Der technikbewanderte Jörg hat das Problem durch eine Verstellung des Speichenmagneten gelöst.

Bei einem von Sabrinas Gästen fiel während der gleichen Tour der Speichenmagnet ab, so dass der Motor seines Pedelecs ausfiel. Ich montierte ihren an das Rad des Gastes, und sie musste ohne Motor weiterfahren😯 Und zwar durchaus auch bergauf😮

Die Federgabel eines Gastes auf meiner Tour war undicht, so dass sie bei Schlaglöchern anschlug. Um sie zu füllen, hätte man eine Dämpferpumpe benötigt, die wir an Bord nicht hatten. Wer dieses Rad bekam, fuhr Soft-Touren der anderen Art😉 Bis die Luft ganz heraus war und das Rad auf der schwarzen Liste landete.

Beim Auspacken unserer E-Scooter fiel mein Blick zufällig auf eine der Schachteln: Das Modell „The Urban BRLN“ ist zwar ein anderes, aber der Importeur ist Florian Walberg, der letztes Jahr die lebensgefährlichen Egrets an TUI verkauft hatte. Daraus gelernt hat er nichts: Nach drei Wochen waren bereits 16 unserer Roller defekt😦 Wir konnten einige davon reparieren und haben 20 neue bekommen. Die waren natürlich auch nicht besser: Zwei sind ebenfalls unkontrolliert zusammengeklappt. Einer verlor nach gerade mal 170 km beinahe seinen Hinterbau. Der Ständer sah aus, als ob er schon vom bösen Anschauen abbrach, und die Gäste traten ihn durchaus mit Füßen. Die hinteren Bremskabel hängten sich aus dem Gegenhalter aus, so dass man nur noch vorne bremsen konnte. Schrauben lockerten sich, Lenker fielen ab, Vorderräder lösten sich…😠

Der Friedhof der Kuschelscooter …
… oder war es der Club der toten Scooter?

Deshalb boten wir den Gästen das Ausleihen nicht mehr an. Anders als damals TUI hat die AIDA-Zentrale in Rostock uns nun nicht etwa gezwungen, unsere Gäste auf die Schrott-Sportgeräte zu stellen, sondern hat 30 neue und hoffentlich bessere bestellt😊

In Las Palmas kam mir plötzlich unser Kapitän Boris Becker in Zivil entgegen. Seine Frau und er hatten sich zwei Scuddys ausgeliehen. Er erkannte mich aufgrund meines Biketrikots, gab mir den Master-Schlüssel zurück und erklärte, nach 2 km sei einer der beiden Scuddys liegengeblieben. Ich dachte, es hätte mit seinem Gewicht zu tun gehabt, das über dem zulässigen Maximum lag, aber er sagte, es sei derjenige seiner (zierlichen philippinischen) Frau gewesen😉 René hat ihn auseinandergenommen und gesagt, der Antriebsriemen sei verhackstückt gewesen.


Orjanisation!

So eine Radtour bringt einigen organisatorischen Aufwand mit sich. Die Gäste mussten beraten werden, und sie mussten eine Einverständniserklärung unterschreiben. Dazu musten sie persönlich am Schalter vorbeikommen. Dort wurde ihnen gesagt, dass sie am Vorabend der Tour ins vordere Treppenhaus auf Deck 3 kommen sollten. Dort erhielten sie ihre Helme und Rucksäcke. Das vergaßen regelmäßig einige. Andere meldeten sich gleich ab, weil sie um diese Zeit Restauranttermine hatten. Das bedeutete, dass wir immer einige Ausrüstungsgegenstände mit auf die Pier nehmen mussten. Und nicht nur die, sondern vor allem auch die Räder. Jedes einzelne wurde vor jeder Tour abgehängt, ggf. mit Batterie und Display versehen, kontrolliert, entstaubt und zunächst in den Gepäckbereich geschoben. Wenn die Gangway freigegeben war, schoben wir sie hinaus. Erst vor dem Schiff nahmen die Gäste sie in Empfang.

Das ginge auch effizienter. Wir hätten die Räder wie gehabt in den Gepäckbereich schieben können. Die Helm- und Rucksackausgabe hätte am Morgen vor der Tour im Fahrradraum erfolgen können. Unmittelbar danach hätte jeder Gast sein Rad aus dem Gepäckbereich, der sich direkt davor befindet, mit hinaus auf die Pier nehmen können. Das hätte den Vorteil gehabt, dass die Gäste sich für die Ausgabe nicht extra zu uns hätten bemühen brauchen, kein Gast den Ausgabetermin verpasst hätte, und wir viel weniger Aufwand mit Räderschieben gehabt hätten. Analoges galt für die Rückkehr: Statt Räder, Rucksäcke und Helme auf der Pier abzugeben, hätten die Gäste diese mit in den Gepäckbereich hineinschieben können. Aber eben, auf einem Kreuzfahrtschiff zählen andere Aspekte als Effizienz. Ich weiß nur nicht welche😉

Gesunder Menschenverstand jedenfalls nicht. Als meine Kollegen während der Arbeit in unseren diversen nebeneinanderliegenden Räumen auf Deck 3 Musik hörten, störte das einen der Manager, dessen Büro eine Tür weiter lag. Er hätte ja nun meine Kollegen bitten können, die Musik leiser zu stellen oder die Türen zu schließen. Stattdessen zog er es vor, seinen Vorgesetzten zu informieren, der wiederum unseren Shore Excursion Manager Ingo informierte. Der hätte ja antworten können: „Sag mal, hast du sie noch alle? Das soll dein Mitarbeiter direkt klären.“ Stattdessen entschied er sich für: „Das ist auf einem Schiff halt so.“ Da wiehert das weiße Seepferdchen😦


Wir stehen uns selbst im Weg

Natürlich ist ein Biker nicht ständig draußen. Räder kontrollieren, raus- und reinschieben, warten und reparieren gehörten mit dazu. Aber auch Schalterdienst. Das heißt, man berät die Gäste, verkauft ihnen Ausflüge und bucht sie ein. Das wäre eigentlich nicht schwer gewesen, aber es gab ein paar Fallstricke. Für sämtliche von uns organisierten Aktivausflüge mussten die Gäste sogenannte Einverständniserklärungen unterschreiben. Natürlich dachte ich auch bei meinen ersten beiden Golfern daran. Nachdem sie gegangen waren, wollte ich sie in die Excel-Ausrüstungsliste eintragen. Dort waren zwei Felder für Rechts- bzw. Linkshänder und Stahl oder Graphit… Zum Glück spazierten sie wenig später noch einmal am Schalter vorbei, so dass ich die Informationen doch noch einholen konnte. Auf dem Formular wurde danach nicht gefragt. Auch zwei Schnorchler füllten das Formular aus. Und wieder erfuhr ich erst nach ihrem Weggang, dass ich für die Excel-Liste nach Größe, Gewicht und Schuhgröße für den Neoprenanzug hätte fragen sollen. Die Wanderer mussten angeben, ob sie lieber ein Schinken-Käse- oder ein Tomaten-Mozzarella-Sandwich wollten. Auf dem Formular auch davon kein Wort.

Ich sprach Mario darauf an, wieso auf den Formularen die betreffenden Felder nicht vorgesehen seien: Weil wir Formularänderungen über Rostock beantragen müssten. Die Kollegen müssten es nach Miami schicken und der Anwalt müsste sie bewilligen. Na, hoffentlich hatte er nichts dagegen, wenn wir die Angaben handschriftlich auf dem Formular vermerkten. Und dass regelmäßig wieder Erstfahrer hereinfallen…

Noch schlimmer, dass wir Aktivausflügler die Gäste auch über Bustouren beraten sollten, von denen wir keine Ahnung hatten, und unsere Scout-Kollegen über unsere Aktiv-Ausflüge Bescheid wissen sollten. Das führte nicht nur zu schlechter Beratung und zahlreichen Buchungsfehlern, sondern war auch völlig unnötig, weil es sich leicht hätte einrichten lassen, dass jeweils einer aus jeder Abteilung an jedem Schalter saß.

Das war aber immer noch nicht alles, weil wir im Atlantik die in der zweiten Reisehälfte liegenden Ausflüge nur „on hold“ buchen durften. Das System namens Fidelio gab keine Warnung aus, so dass wir immer wieder in die Falle tappten. Das hatte den Grund, dass die Gäste auch von zu Hause aus buchen konnten und deren Reservierungen in einer anderen Datenbank gespeichert wurden als bei uns an Bord. Ich glaube, ich weiß, warum AIDA händeringend Informatiker sucht😉

Und weil aller schlechten Dinge drei sind: Die „on hold“ gebuchten Gäste wurden von uns aus nicht informiert, ob sie ihre Ausflüge nun mitmachen konnten oder nicht, sondern sie mussten sich selbst im Bordportal, am Schalter in der in der myAIDA-App erkundigen. Dasselbe galt bei Änderungen der Startzeiten😞


Nebentätigkeiten

Schalterdienst hatte ja irgendwo noch mit Radtouren zu tun. Aber auf so einem Schiff wurde nun mal jede Hand gebraucht. Die Vielfalt der Aufgaben erhöhte durchaus den Reiz der Arbeit an Bord. Als da wären:

  • Sport-Rezeption, Herausgabe und Rücknahme der Minigolfschläger und -bälle.
  • Fahnen schwenken und lächeln zur Verabschiedung der Gäste.
  • Koffer-Duty im Terminal. Das heißt den Gästen helfen, ihr Gepäck, das bereits in der Nacht vor der Abreise von Bord gebracht wurde, für die Rückreise wiederzufinden und Schadensmeldungen aufnehmen.
  • Checkin-Aufbau im Terminal. Das heißt, Tische und Ausrüstung für das Einchecken der ankommenden Gäste vorbereiten.
  • Checkin: Die Ausweise der Gäste mit dem Checkin-Handy scannen, ein Bild machen und sie zum nächsten Schalter weiterschicken.
  • Checkin-Abbau: Die ganze Ausrüstung vor dem Ablegen wieder an Bord bzw. in die Container am Hafen bringen.
  • Dispatch: Die Bordkarten der in die Ausflugs- oder Pendelbusse einsteigenden Gäste scannen.
  • Kabinenbriefe verteilen. Das heißt auf jedem Deck die endlos langen Flure entlanggehen. Zum Glück ging ich gerne zu Fuß. Auch die Treppen auf und ab. Ein Kollege mit einem Schrittzähler kam bei der gleichen Aufgabe auf 3,2 km.
  • Pax Guiding vor den Bussen: Den Gästen sagen, in welchen Bus sie für ihre gebuchte Tour einsteigen müssen.
  • Welcome Duty: Vor dem Terminal stehen und den Gästen den Weg in die Stadt oder zum Schiff zeigen.
  • Ausflugspräsentation: Im Theatrium auf der Bühne stehen und den Gästen unsere Ausflüge vorstellen.
  • Wenn ich gewollt hätte, hätte ich auch in der Sauna Aufgüsse machen dürfen, so wie meine Kollegen, aber man brauchte es ja nicht zu übertreiben😉
  • Zöllner spielen. Kein Witz! Auf Madeira durfte ich der Security helfen. Das heißt die Gäste auffordern, Handys, Schlüssel, Geldbeutel und Kameras in die Plastikwannen für den Scanner zu legen. Das wäre ja noch gegangen, aber ich musste auch in die Einkaufstaschen schauen. Wir konfiszierten einige frische Früchte, Sandwiches und Sahnetörtchen. Da ich keine Zeit für ein Mittagessen gehabt hatte, hätte ich einen Teil davon gerne übernommen, aber unser Security-Chef hatte dafür kein Musikgehör: Alles musste vernichtet werden😳

Nach den Radtouren gaben die Gäste ihre Leihrucksäcke zurück. Normalerweise waren sie leer, aber wir kontrollierten sie stets noch einmal. Und was musste ich da finden? Eine Anane. Kein Schreibfehler. Man könnte die Frucht auch Bananas nennen. Sie sah aus wie eine Kreuzung aus Banane und Ananas. Tastsächlich war es die Frucht des Philodendron-Baums aus der Markthalle von Funchal. Erstaunlich, dass sie es durch zwei Sicherheitskontrollen geschafft hatte, aber noch erstaunlicher, dass die Gäste sie im Rucksack vergessen hatten. Natürlich habe ich sie sogleich in meiner Kabine in Sicherheit gebracht😉 Allerdings schmeckte das Gewächs nicht, ganz im Gegensatz zum Vorzeigemodell in der Markthalle.

Bananas? Anane? Nein: Philodendron!


Ausstieg nur mit gültiger Fahrkarte

Bei der zweiten Landung in Palma de Mallorca hatte ich keine Radtour, sondern war unter anderem für die Pendelbusabwicklung vor dem Terminal eingeteilt. Ich dachte mir nichts dabei, bis ich erfuhr, dass ich nicht die einsteigenden, sondern die ankommenden Gäste scannen sollte, weil niemand in der Stadt für die einsteigenden Gäste da war. Es war mit das Mühsamste, was ich in den sechs Monaten bei AIDA erlebt hatte:

  • Die Gäste verstanden das nicht und dachten, sie müssten ein zweites Mal bezahlen.
  • Das Aussteigen aus den Bussen verzögerte sich dadurch, weil ich sie nur einzeln herausließ. Manche Busfahrer öffneten aber auch die hintere Türe, so dass die ganze Schar auf einmal gescannt werden wollte. Oder auch nicht😉
  • Einer der Busfahrer meinte, er könne nicht warten, bis ich alle Gäste gescannt hätte, und schloss die vordere Türe, während ich noch mit den aussteigenden Gästen beschäftigt war😦 Ich öffnete sie mit Kraft. Das wiederum gefiel ihm gar nicht, und er meinte, wenn ich sie beschädigte, müsste ich sie bezahlen.
  • Das Einlesen der Strichcodes auf den Bordkarten funktionierte bei starken Kontrasten nicht, wenn die Bordkarten teilweise in der Sonne, teilweise im Schatten waren.
  • Die Crew-Mitglieder, die kostenlos mitfahren konnten, wurden ungeduldig, weil sie zum Dienst mussten, ich sie aber gesondert einscannen musste und sie warten mussten, bis ich mit den Gästen durch war.
  • Im Scan-Programm musste ich jeden Bus einzeln anlegen. So ein Bus hat normalerweise 54 Sitzplätze. Dann kam plötzlich ein Doppelstöcker mit 80 Plätzen, so dass ich nach 54 Gästen nicht mehr weiterscannen konnte.
  • Einmal kamen zwei Busse gleichzeitig an…

Ich hätte meiner Kollegin, die mich nach drei Stunden und 15 Bussen abgelöst hat, vor Freude um den Hals fallen können😉


Beschwerden und andere Unfälle

Aufgrund schlechter Planung lagen wir auf Gran Canaria und auf Lanzarote zusammen mit der AIDAstella im Hafen. Dadurch waren auch die lokalen Agenturen, über die wir die Busausflüge buchten, überfordert. Einige Gäste bekamen Absagen. Auch die Informationen und vor allem die Startzeiten der Ausflüge im Bordportal stimmten immer mal wieder nicht. Weil wir unsere finanziellen Ziele erst einmal nicht erreicht hatten, bekamen wir hohen Besuch aus Rostock. Dieser kam anschließend zu der Schlussfolgerung, dass wir an Bord nicht mehr tun könnten. Oder doch, denn irgendwann wurden die ursprünglich nicht vorgesehenen Ausflugspräsentationen im Theatrium doch eingeführt. Auch ich durfte auf der Bühne stehen und den Gästen unsere Radtouren schmackhaft machen.

Ansonsten sind mir nicht viele Beschwerden von Gästen zu Ohren gekommen. Einige wären auf meiner Tour gerne länger im Botanischen Garten von Las Palmas geblieben, aber das ging vom Zeitplan her nicht. Eine Mutter kritisierte, dass der Empfang ihres Babyphons an manchen Stellen schlecht sei. Andere waren nicht zufrieden, weil die À-la-carte-Restaurants schon im Voraus online ausgebucht waren, die Buffet-Restaurants als Sammelplätze für die gesetzlich vorgeschriebenen Seenot-Rettungsübungen gebraucht wurden und die Gäste frei durch die Restaurants spazieren konnten. Oder dass die Kellner kein Deutsch verständen. Sie dachten vermutlich nicht daran, dass deutschsprachige Servicekräfte doppelt so teuer wären und der Reisepreis dann höher läge. Davon abgesehen verteilten sich die Tausende Gäste sehr gut auf das Schiff, selbst an Seetagen. Trotzdem gab es beim Aussteigen manchmal Staus, vor allem, wenn wir die viel zu engen Gangways der Häfen statt unserer eigenen breiteren verwenden mussten.

Nachdem die Polizei uns auf Fuerteventura das Stehpaddeln mangels Genehmigung verboten hatte, folgten die Scuddy-Touren auf Teneriffa. Auch auf Madeira gab es Probleme. Offenbar bewegten wir uns in einer Art Grauzone. Deshalb sollten wir immer unsere Versicherungsnachweise mitführen, um sie der Polizei notfalls vorweisen zu können.

An Silvester auf Madeira hatte ich sogar zwei Touren. Bereits bei der ersten wurden wir im Regen ordentlich nass, aber die Gäste nahmen es mit Humor. Zurück beim Schiff keine Mittagspause, nur Zeit für drei Energieriegel und etwas Schokolade. Bei der zweiten Tour fehlten vier Gäste, so dass ich sie in ihrer Kabine anrufen musste und wir wegen Fahrrad- und Satteltausch noch später loskamen. Die Mutter der verspäteten Familie fragte als erstes, ob sie ihren Restaurant-Termin am Abend noch erreichen würde. Unterwegs beschwerte sie sich ständig und fragte, ob wir die Tour aufgrund des Regens nicht abbrechen könnten. Damit war sie aber die einzige, so dass wir weiterfuhren. Dummerweise stürzte auf dem Rückweg ihre Tochter auf dem nassen Pflaster beim Bergabfahren. Auf meine wiederholte Frage antwortete sie, dass sie weder verletzt sei noch Schmerzen hätte. Auch die Mutter hätte sich gestoßen und wollte wissen, wo sie sich beschweren könne. Zurück beim Schiff erfuhr ich, dass meine Kollegin, die die gleiche Tour parallel gefahren war, nach Rücksprache mit unserem Chef die Tour abgebrochen hatte. Allerdings wären wir auch in diesem Fall an der Stelle vorbeigekommen, an der das Mädchen gestürzt war.

Deshalb hätte es mich nicht wundern dürfen, dass ich am Abend ins Office bestellt wurde, um informiert zu werden, dass die beiden im Bordhospital gewesen seien, und meine Sicht der Dinge darzulegen. Wir mussten einen Unfallbericht schreiben. Meine Abteilung hat unnötigerweise die Arztrechnung übernommen. Vom Krankenhaus erfuhr ich, dass dem Mädchen wie vermutet nichts passiert war. Immerhin haben meine Chefs mir keinen Vorwurf gemacht. Bei TUI hätte ich vermutlich wieder eine Abmahnung wegen unterlassener erster Hilfe am Hals gehabt😯

Drei Monate später stürzte auf Fuerteventura wieder eine Frau. Unsere Strecke führte auf einer Schotterpiste durch ein holpriges, steiniges trockenes Bachbett. Nach Zeugenaussagen konnte die 71jährige sich nicht entscheiden, ob sie absteigen oder weiterfahren wollte. Sie schürfte sich zum Glück nur das Knie und die Hand auf. Ich leistete sofort erste Hilfe, und sie hat auch mein Unfallprotokoll unterschrieben.



Bitte lächeln!

Auf unserem Schiff gab es Zettel mit dem AIDA-Logo und dem Titel „Ihr Lächelmoment“. Die Gäste sollten notieren, mit wem von der Besatzung sie besonders schöne Erlebnisse hatten. Die Abteilung, die am meisten Lächelmomente sammelte, bekam eine Belohnung. Deshalb schlug unser Chef JP vor, diese Lächelmomente aktiv zu bewerben. Wir taten wie geheißen. Wir hätten 124 erhalten sollen, kamen aber „nur“ auf 84. Davon fünf für mich. Was mich besonders freute: Auch die verunfallte Frau hatte einen Zettel für mich ausgefüllt, weil sie sich nach ihrem Sturz von mir so gut betreut fühlte😊

Hier ist das Lächeln zu Hause😉

Bei der Einweisung sagten wir den Gästen stets, dass sie unsere Handzeichen nicht weitergeben sollten. Ein Gast auf einer Tour meines Kollegen hielt sich nicht daran, stürzte mit dem Gesicht auf die Bordsteinkante und verlor zwei Zähne😮 Auf zwei anderen Touren wurden zwei Teilnehmer von sich schließenden Schranken getroffen. Wir mussten unterschreiben, dass wir nicht mehr unter offenen Barrieren durchfahren würden. Die Krönung waren aber die Gäste, die ihren Flug nach Gran Canaria selbst gebucht hatten und bei unseren Kollegen von der AIDAsol fragten, wann denn die AIDAnova ankäme. Sie waren nach Palma de Mallorca statt nach Las Palmas de Gran Canaria geflogen😂


AIDAspeak

Bordsprache ist deutsch. Zumindest theoretisch, denn pseudo-modisches Denglisch kommt der Sache näher:

  • Action Wall
  • AIDA Lounge
  • AIDA Quiz
  • Art Bar
  • Basic Safety Training
  • Beach Club
  • Best of Piano
  • Bike Locker
  • Biking
  • Body & Soul Wellness
  • Counter
  • Fit4Drums
  • Fotoshooting
  • Four Elements
  • Guitar Legends
  • Highlights des Tages
  • Hiking
  • Kapitänstalk
  • Kids & Teens Show
  • Kids Club
  • Lasershow
  • Lunchpaket
  • Mystery Room
  • Organic Spa
  • Power Plate
  • Racer
  • Ship search
  • Shuffleboard
  • Shuttlebus
  • Stand-up paddling
  • Steampunk Circus
  • Street Food
  • Super Jackpot Bingo
  • The Cube
  • The Voice of the Ocean
  • Tickets
  • Toms Prime Time
  • Track

Es ist ja nicht so, dass unsere Sprache kein hinreichendes Vokabular bereithielte😉


Was habe ich jetzt wieder falsch gemacht?

Meine Abteilung bestand aus rund 30 Crew-Mitgliedern, unsere drei Chefs eingeschlossen: Shore Excursion Manager, Tour Manager und Activities Manager.

Um 8 Uhr früh an einem Seetag bei Kälte und Nieselregen auf Deck 18😯

Was mich immer wieder erstaunt hat: Die allermeisten Kollegen waren sehr nett. Der Anteil war jedenfalls weit höher als an Land😊 Aber Ausnahmen bestätigten auch hier mal wieder die Regel. Allen voran mein erster Supervisor namens Fifty:

  • „Schieb zwei Räder auf einmal!“
  • „Das nächste Mal wechselst du die Pedale schneller!“
  • „Bring zuerst die Mountainbikes und erst dann die Pedelecs!“
  • „Die Gäste sollen Bilder machen, nicht du!“
  • „Die Energieriegel sind für die Gäste und nicht für euch!“
  • „Zieh den Rucksack aus und nimm den Helm ab, sonst bekomme ich Augenkrebs!“
  • „Es ist 7.16 Uhr. Dein Dienst begann um 7.15 Uhr!“
  • „Du sollst die Kollegen nicht vor versammelter Mannschaft bloßstellen!“ Mein „Fehler“ war es gewesen, bei einem Workshop die Umrechnung von psi in bar zu erklären…

Das Eine oder Andere mag ja berechtigt gewesen sein, aber Fifty litt offenbar an einem regelrechten Kontrollzwang. Er fuhr auf meiner ersten Pedelec-Tour auf Fuerteventura mit. Wie nicht anders zu erwarten hatte er daran allerhand zu kritisieren. Hingegen haben mir drei Gäste für meine Erklärungen ausdrücklich gedankt, und am Schluss haben alle geklatscht. Fifty hat es zum Glück gehört. Erklärungen waren nicht seine Stärke. So bezeichnete er eine Meerwasserentsalzungsanlage schon mal als „Wasserkraftwerk“😂

A propos Wasser: Sechs Wochen, nachdem wir an Bord gekommen waren, schraubten wir erstmals an unseren Fahrrädern. Schmutzige Hände waren die unvermeidliche Folge. Bei TUI hatten wir im Fahrradraum ein Waschbecken samt Sandseife gehabt. Dummerweise fragte ich Fifty, wo man sich am besten die Hände waschen könne. Nun hätte er erklären können, dass es im Fahrradraum dafür keine Einrichtung gäbe und ich auf meine Kabine, auf die Toilette unseres nahegelegenen Aufenthaltsraums oder in unseren Waschraum zwei Türen weiter gehen könne. Stattdessen fand er es hilfreicher, mir zum Vorwurf zu machen, dass ich das nach sechs Wochen noch nicht wüsste😉 Und empfahl mir die als Notlösung für unterwegs gedachte Handreinigungspaste aus unseren Biking-Guide-Rucksäcken😯

Wir haben das an einem Meeting thematisiert, zumal mein junger Kollege Michi davon noch stärker betroffen und umso glücklicher war, dass ich ihm den Rücken gestärkt habe. Es wurde nicht besser. Immerhin gab Fifty in einem Vieraugengespräch zu, dass er sehr ungeduldig sei. Jedes Mal, wenn ich ihn sah, fragte ich mich bereits, was ich wohl wieder falsch gemacht haben könnte…


Gack, gack, hack, hack

Mir der „Das-musst-du-doch-wissen“- statt „Ich-helfe-dir-gerne“-Einstellung war Fifty nicht allein. Nachdem wir am Anfang alle für unsere Touren benötigten Räder hinausgeschoben hatten, wollte meine Kollegin Simone die im Fahrradraum verbliebenen lieber selbst umhängen, statt mir zu erklären, wie das ging. Wie ich es ohne Erklärung lernen sollte, behielt sie für sich. Dabei war das war banal und dauerte fünf Sekunden.

Auf Madeira freute ich mich darauf, abends nach Funchal in die Stadt zu gehen. Kurz vor 18.00 Uhr verließ ich das Schiff. Aus dem Augenwinkel sah ich auf der Pier ein paar unserer Fahrräder an den Zaun gelehnt. Bevor ich realisierte, wie mir geschah, fiel Simone über mich her: „Du willst jetzt aber nicht wirklich in die Stadt gehen?“ Sie fand, ich hätte wissen und daran denken müssen, dass noch zwei Gruppen unterwegs seien, und warten, bis sie zurückwaren. Auf dem Dienstplan hatte nichts gestanden. Sie wollte mich aus Trotz erst recht in die Stadt schicken, aber ich habe natürlich gewartet, geholfen, auch noch auf die zweite Gruppe gewartet und noch einmal geholfen, während sich einige andere Kollegen gar nicht erst blicken ließen. Erst kurz vor 20.00 Uhr kam ich los. In der Altstadt fand ich ein nettes kleines Lokal mit WLAN und günstigem schwarzen Schwertfisch mit Banane, dazu Poncha, das ortstypische Getränk aus Rum, Honig, Fruchtsaft und Wasser. Muitu bom!

Was heißt „Mahlzeit“ auf portugiesisch?😉

Ich habe eine andere, gutmütige Kollegin auf das Herumhacken angesprochen. Sie sagte, das hätte sie in den letzten vier Jahren auf jedem Schiff erlebt. Ich glaube, ich weiß, woher das kommt: Wir sind ja an Bord ziemlich lange Zeit ziemlich viele Leute auf ziemlich engem Raum. So ähnlich wie Batteriehühner. Auch die hacken aufeinander herum😯 Die gute Nachricht war, dass Simone und Fifty wenig später abgestiegen sind😊


Aufsicht ohne Durchblick

Es dauerte gar nicht lange bis zur nächsten Hackattacke. Denn wenig später wollte Supervisorin Swantje, Fiftys Nachfolgerin, mit mir reden. Sie fragte, wie ich mich im Team sehen würde? Ich konnte mit (fast) allen gut zusammenarbeiten. Sie hingegen fand, dass ich mich nicht ins Team integrieren würde, und das sei bedenklich. Meine Wahrnehmung sei eine ganz andere als die meiner Kollegen. Das ganze Team sei geschlossen gegen mich. Nanu? Kann man sich einbilden, mit seinen Kollegen gut auszukommen? Konkret lauteten die Vorwürfe:

  • Ich schöbe die Gäste von meinem Schalter zu den Kollegen am anderen, 20 m entfernten ab.
  • Ich erschiene immer ein paar Minuten später als meine Kollegen zum Dienst.
  • Nach den Touren verabschiedete ich mich vorzeitig vom Räderschieben und ließe die Kollegen im Stich.
  • Ich reparierte nach der Tour meine Räder nicht, sondern verließe mich darauf, dass die Kollegen das täten. Als ich eines Morgens in den Fahrradraum kam, hing ein Schild mit „Für Stefan :-)“ am Sattel der von mir nicht reparierten Räder. Natürlich ohne Unterschrift.
  • Ich suchte mir am Morgen, wenn die Räder bereitgestellt werden, immer den einfachsten Job aus, nämlich die Räder abzustauben.
  • Und dann machte ich die Fahrräder vor dem Hinausschieben auch noch zu langsam sauber.

Ja, so ein schlechter Teamkollege war ich! Dachte zumindest Swantje. Sie war nur ein paar Wochen Supervisorin gewesen, hatte mich währenddessen gefühlt zweimal gesehen und bezeichnete sich selbst als Außenstehende. Das erklärt denn auch das schiefe Bild, das sie in der kurzen Zeit bekommen hat. Offenbar hatte sie aus wenigen Einzelbeobachtungen falsche Schlüsse gezogen. So wie man ein Mosaik, das erst aus wenigen Steinchen besteht, ganz eigen interpretieren kann. Jetzt verstehe ich, warum Psychologen projektive Persönlichkeitstests mögen. Nicht auszudenken, was Swantje in einem Farbklecks alles erkannt hätte😉


Hintergründig

Swantjes Anschuldigungen waren so absurd, dass es fast schon wieder komisch war:

  • Tatsächlich hatte ich Gäste von meinem Schalter auf Deck 8 immer wieder zu den nahen Kollegen weiterbegleitet, wenn ich ihre Anliegen nicht klären konnte bzw. diese besser Bescheid wussten. Meine Motivation war stets, die Gäste möglichst gut zu beraten.
  • Einige Kollegen waren zwar morgens immer schon vor mir im Fahrradraum, aber ich war fast immer pünktlich. Unter diesen Umständen frage ich mich, warum auf unserem Dienstplan Zeiten standen, wenn diese unverbindlich waren. Wenn Kollege Jörg chronisch zu spät kam, interessierte das keinen. Ich fragte mich, ob ich ebenfalls zu spät kommen sollte, wenn alle übrigen Kollegen das täten…
  • Tatsächlich hatte ich mich einmal vorzeitig vom Räderschieben entschuldigt, weil ich dringend in Santa Cruz noch zur Post musste. Das war sechs Wochen zuvor gewesen. Als ich mehr als einmal von meinen Touren zurückkam, war kein Kollege weit und breit, der mir beim Hineinschieben geholfen hätte, so dass ich alles allein gemacht habe. Für mich kein Problem. Als mein Kollege Michi am Fernsehen unbedingt einen fränkischen Abend sehen und deshalb früher Schluss machen wollte, war ich natürlich sofort einverstanden, seinen Teil zu übernehmen, damit er kein Heimweh bekam😉 Auch beim Durchsuchen des Schiffs bin ich zweimal für verhinderte Kollegen eingesprungen.
  • Einmal quietschte nach meiner Lanzarote-Tour eines der Räder. Ich sagte es meiner Kollegin, die mit einem der ihren das gleiche Problem hatte. Ich schrieb also beide auf das Whiteboard. Bis nach der Tour alles aufgeräumt war, war es 18.00 Uhr. Ich musste mich noch duschen, umziehen und essen und hatte von 19.00 bis 20.00 Uhr wieder Dienst. Ich war so müde, dass ich beinahe im Stehen einschlief, so dass ich nicht mehr an das Rad dachte und auch nicht sicher war, ob ich in meinem Zustand die Bremsen wieder hingekriegt hätte. Am nächsten Tag war großer Passagierwechsel auf Gran Canaria, so dass wir ohnehin nicht alle Räder benötigten. Auch Kollegen ließen immer wieder reparaturbedürftige Räder stehen. Ich habe natürlich bei der nächsten Gelegenheit beide Räder in Ordnung gebracht, obwohl nur eines auf meiner Tour mitgefahren war. Aber das interessierte natürlich wieder keinen.
  • Am Morgen vor den Touren hatte ich alles gemacht: die benötigten Radnummern ablesen, ggf. tauschen, Räder abhängen, bei den Pedelecs Batterien und Displays einbauen, alles prüfen, abstauben und hinausrollen. Ich war da gar nicht wählerisch, sondern habe immer dort mit angepackt, wo Not am Mann war. Wenn andere Kollegen immer die gleichen Aufgaben an sich rissen, hatte ich damit kein Problem. Wie Swantje darauf kam, dass ich mir am liebsten die Hände schmutzig machen würde, hat sie für sich behalten.
  • Dass wir für das Vorbereiten der Räder nie so lange benötigten, wie auf dem Dienstplan vorgesehen, und wir uns manchmal eine halbe Stunde die Beine in den Bauch standen, bis die Pier offen war, schien Swantje ebenso wenig zu kümmern wie die Tatsache, dass die meisten Gäste lieber auf einem sauberen Rad sitzen dürften als auf einem, dem man seine letzte Tour noch ansah. Die Räder konnten in der Kürze der Zeit ohnehin nur sehr oberflächlich saubergemacht werden. Auf die Idee, mir meine Gründlichkeit zum Vorwurf zu machen, musste frau erst einmal kommen. Über zwei Monate später hielt uns mein Chef JP eine Standpauke, weil die Räder beim Hinausschieben nicht sauber waren. Ich glaube, Swantje und JP hätten einigen Gesprächsbedarf😉

Das war aber nicht alles, worüber Swantje und ich uns nicht einig wurden:

  • Unter „Teamgeist“ verstand ich, dass man sich gegenseitig unterstützt, konstruktiv zusammenarbeitet und ein positives Arbeitsklima schafft und nicht die Arbeit anderer Kollegen neidisch überwacht und sich hintenherum beschwert. Was Swantje darunter verstand, weiß ich nicht, aber offenbar etwas Anderes.
  • Sie fand, ich solle mir von den Anderen mehr abschauen. Davon abgesehen, dass ich das seit Jahrzehnten Jahren tat, dachte ich immer, man solle es möglichst besser und nicht schlechter machen.
  • Sie hielt mich für „zu strukturiert“. Was sie nicht davon abhielt, die morgendlichen Abläufe im Fahrradraum streng zu strukturieren und die Quittierung der Rückgabe von Helmen und Rucksäcken einzuführen. Beides wurde kurz nach ihrem Abstieg wieder abgeschafft.
  • Sie meinte, es hätte auch mit meinen „fortgeschrittenen“ Alter zu tun, dass ich nicht mehr so flexibel sei. Ich entgegnete, dass ich nicht an Bord wäre, wenn ich unflexibel sei.
  • Meine Argumente wollte sie gar nicht hören. Gleichzeitig riet sie mir, besser zu kommunizieren. Und ich dachte immer, Kommunikation würde auf Gegenseitigkeit beruhen. Deshalb war ich auch dafür, stets beide Seiten zu hören, bevor man sich ein Urteil bildete. Sie anscheinend nicht.

Außerdem war sie ganz überrascht, als ich ihr sagte, dass ich meinen Job liebte. Dieser Stein wollte so gar nicht in ihr imaginäres Mosaik passen. Sie fragte, ob ich einen neuen Vertrag ins Auge fassen würde, und prophezeite mir, dass mir auf dem nächsten Schiff dasselbe wieder blühen würde. Seltsam nur, dass ich bei TUI mit allen Kollegen hervorragend ausgekommen war. Aber sie sprach ja auch vom nächsten und nicht vom letzten Schiff😉 Außerdem fand sie, ich hätte auf alles eine Antwort. Wenigstens da waren wir uns einig😉

Meine Theorie der Batteriehühner, die aufeinander herumhackten, bewahrheitete sich mal wieder😯 Diesmal freilich ließ ich mir meinen Super-Job nicht verderben. Deshalb nahm ich alles nicht so ernst. Bereits bevor ich zu AIDA gestoßen war, hatte ich im Internet von der „Bordhackordnung“ gelesen, und eine erfahrene Kollegin hatte das ja auch bestätigt. Vorfälle wie dieser waren ja genau der Stoff, aus dem Internet-Blogs gemacht sind😉


Bestanden

Swantje war die Lebensgefährten meines Chefs Mario, von dem ich sehr viel hielt. Drei Tage später hatte ich mein Beurteilungsgespräch mit ihm. Da war meine dreimonatige Probezeit längst vorbei. Er nahm nur indirekt Bezug auf das Gespräch mit ihr, sondern fand lediglich, dass es nicht soweit kommen dürfe, dass Kollegen nicht mehr mit mir auf dem gleichen Schiff fahren wollten. Ich hatte mir bereits gedacht, dass Swantje auch ihm gegenüber Schreckgespenster an die Wand gemalt hatte, fühlte mich aber beinahe geschmeichelt, dass er mich für so wichtig hielt😉 Ich meinerseits kenne den einen oder die andere Kollegin, die meine Entscheidung für oder gegen ein anderes Schiff durchaus beeinflussen könnte😉

Natürlich hatte AIDA zahlreiche Bewertungskriterien. Deutsch und Englisch gehörten nicht dazu. Die Skala war wie folgt: “not adequate”, “to be improved”, “good” und “excellent”. Ich hatte 16mal „to be improved“ und 27mal „good“. Damit konnte ich leben😊 Anders als bei TUI klang es nicht so, als ob AIDA mich loswerden wollte😉

Wenig später sind sowohl Swantje als auch Mario abgestiegen. Sein Chef André hatte uns bereits zwei Wochen zuvor verlassen. Das heißt, dass die ganze Führungsriege innerhalb sehr kurzer Zeit gewechselt hat. Dritter Supervisor wurde Nino, ein Wassersportler. Der nahm zwar auch kein Blatt vor den Mund, hatte aber meistens Recht. Mein zweiter Chef hieß ebenfalls Stefan, blieb nur einen Monat und war sehr umgänglich. Sein Nachfolger war JP. Der sprach ziemlich schnell, war aber ansonsten ebenfalls in Ordnung. Und nicht nur deshalb, weil er mir bei meinem Abstieg eine gute Beurteilung gegeben hat: nur noch zehnmal „to be improved“, 28mal „good“ und fünfmal „excellent“. Shore Excursion Manager wurde Ingo. Der wirkte immer etwas schlecht gelaunt und hat die Essenskostenrückerstattung drastisch eingeschränkt. Offenbar legte er die Vorschriften aus Rostock enger aus als sein Vorgänger😳


Der Wikinger

Die Anforderungen von AIDA ein gepflegtes Äußeres waren in den letzten zwei Jahren stark vermindert worden, vermutlich aufgrund Personalmangels. So waren inzwischen auch Piercings, sichtbare Tätowierungen, seltsame Frisuren und grelle Haarfarben erlaubt. Abgesehen von seinem Vollbart und dem Ringelschwanz auf seinem Kopf (!) machte Mathias, ein Kollege aus der Wassersport-Abteilung, immer einen ausgesprochen grimmigen Eindruck. Wer ihn nicht kannte, wollte ihm nicht im Dunkeln begegnen. Als Gast hätte ich ihn auch nicht als Tourguide haben wollen😉

„Kuck mal, was es bei AIDA alles gibt!“

An unseren Hafentagen bauten wir im Terminal oder auf der Pier das sogenannte Setup auf. Das waren je nach dem zwei Fahrräder, ein Scuddy, ein E-Scooter, ein Stehpaddel-Board, eine Golftasche, ein Schnorchel-Set, Rucksäcke, Helme und vier Flaggen mit Ständern. Einmal sollte ich mit Mathias das Setup wieder abbauen. Ich wusste nicht, wie man die Flaggen aus den Ständern bekam. Er hätte es mir natürlich leicht zeigen können, so wie ich das an seiner Stelle getan hätte, entschied sich aber für: „Ich hatte mal einen Kollegen, der hat auch nichts gebacken gekriegt.“ Als ich unseren Rollwagen etwas näher an einen Fuß brachte, meinte er barsch: „Lass ihn stehen, das spielt doch keine Rolle!“ Warum regte er sich dermaßen auf, wenn es egal war?

Einmal war ich, aber nicht er auf dem Dienstplan für die Inventur von Helmen und Rucksäcken eingetragen. Bei den ersteren drängte er sich völlig unnötig dazwischen. Nachdem wir damit fertig waren, herrschte er mich im NVA-Kommandoton an: „Stefan, Rucksäcke!“ Ich gab zurück: „Zu Befehl!“ Er maßte sich auch an, mir sagen zu wollen, wo ich durchgehen sollte, und ob ich die Räder beim Hineinschieben abstellen sollte oder nicht.


Das schwimmende Krankenhaus

Nach kaum zehn Tagen auf hoher See wurde ich just beim ersten Besuch in der „Time Machine“ seekrank. An jenem Abend ließ ich mir das ansonsten vorzügliche Essen in zwei Teilen noch einmal durch den Kopf gehen, und zwar rückwärts😳 Ich glaube, Zeitreisen bekommen mir schlecht😉

In der Biskaya drohte mir dasselbe Schicksal, diesmal zum Glück ohne Übergeben. Im Bordhospital mehr als ein Dutzend anderer Patienten mit demselben Leiden. An diesem Tag war ich krankgeschrieben. Dass ein Schiff selbst unserer Größenordnung mal rollt, ist unvermeidlich. Aber dass es auch stampft und krängt, hätte ich nicht gedacht. Meine Kollegen haben mich damit beruhigt, dass man sich daran gewöhne. Handkehrum konnte man landkrank werden, wenn man wieder festen Boden unter den Füßen hatte, weil der Gleichgewichtssinn dann daran gewöhnt ist, die Schwankungen auszugleichen.

Wie auch einige andere Kollegen war mein Mitbewohner René einmal am Kränkeln. Er sagte, laut unserer Bordärztin seien im Januar 1.200 von 1.500 Besatzungsmitgliedern im Hospital gewesen. Auch ich war durch den Luftzug auf Fuerteventura eine Woche lang erkältet. Einen Abend lang verlor ich meine Stimme fast vollständig😯


AIDAnoro, oder: Code Red

Aber das war noch gar nichts. Denn wenig später kam eine neue Kollegin von ihrer ersten eigenen Tour zurück und berichtete, ein Gast, dessen drei Mitbewohner krankheitsbedingt abgesagt hatten, hätte unterwegs erbrochen. Sein Rad und sein Helm wurden desinfiziert und abgeduscht. Eine zweite Kollegin berichtete, im Klettergarten sei dasselbe passiert. Andere erzählten, sie würden von Gästen ständig nach dem Weg zum Bordhospital gefragt, und dieses sei voll. Manche Gäste weigerten sich, das Krankenhaus aufzusuchen, entweder weil sie sich nicht anstecken oder keine 80 € für eine zweiminütige Ordination bezahlen wollten. Als Jörg sich am Kopf gestoßen hatte und ins Bordhospital wollte, wurde er weggeschickt, weil dieses voll mit Gästen war. Es standen Stühle für die Wartenden bis ins Treppenhaus. 400 Gäste waren am Norovirus erkrankt. Das bedeutete AGE-Stufe (akute Gatroenteritis) rot. Da mussten Maßnahmen ergriffen werden:

  • Die Gäste wurden per Kabinenbrief beim Check-in, per Aufruf über die Bildschirme und per Lautsprecherdurchsage dazu angehalten, ihre Hände zu waschen und zu desinfizieren.
  • Am Eingang der Crew-Messe stand ein Mitarbeiter mit einer Sprüh-Desinfektionsflasche und eine weitere Station zur Handdesinfektion.
  • Wir wurden unsererseits abgestellt, die Hände der Gäste an den Restaurants mit Desinfektion einzusprühen.
  • Wir durften nicht mehr in Gästerestaurants essen und das Gästefitnessstudio nicht mehr benutzen.
  • In den À-la-carte-Restaurants wurde Selbstbedienung eingeführt.
  • Der Klettergarten wurde „aus operativen Gründen“ vorübergehend vollständig geschlossen.
  • Ebenso die Shops, wenn auch nur für einen Tag.
  • Die Schwimmbäder wurden kurzzeitig trockengelegt.
  • Unsere Schalter mussten wir jede Stunde desinfizieren.
  • Die Handgriffe und Sättel der Räder, die Rucksäcke und die Helme wurden nach jeder Tour desinfiziert. Bei 50 Rädern konnte das zu dritt schon mal dauern. Auf Fuerteventura („Insel des starken Windes“) auf der zugigen Pier herrschten Windgeschwindigkeiten von 40 km/h.
  • Ich wurde mit drei Kollegen zum Mitternachtsputzen im Shop eingeteilt. Das erfuhr ich zwei Stunden vorher. Ort des Geschehens war die Parfümerie. Jede einzelne Packung im Regal sollte mit dem Drei-Eimer-System dekontaminiert werden: Seifenwasser, klares Wasser, Desinfektion. Wir kamen nicht voran. Um 2.00 Uhr traf Verstärkung ein, um 2.10 Uhr hieß es, nur noch mit Desinfektionsmittel, und fünf Minuten später waren wir fertig. Angeblich. Wenn man das Mittel an den Packungen vorbeitrug, wirkte es nicht😉 Am nächsten Tag schlief ich bis 12.00 Uhr. Am Nachmittag war ich für drei Stunden zum Desinfizieren in unserer Boutique eingeteilt😯
„Wie schreibt man nochmal ‚hygienisch‘?“ – „Keine Ahnung. Schreib einfach ‚operativ‘!“😉

Weil wir zwei Wechselhäfen hatten, konnten die bleibenden Gäste die Erreger wie in einer Stafette an die Neuankömmlinge weitergeben. Die AIDAblu fuhr im Indischen Ozean drei Monate lang rot. Ein Wunder, dass sie noch Besatzungsmitglieder hatte😉 Bei anderen Schiffen wurden sämtliche Gäste bereits kostenlos, aber nicht freiwillig an Land verfrachtet, damit das Schiff desinfiziert werden konnte. Bei uns ging das nicht, weil zu groß😯 Nach einigen Wochen gab sich das Virus geschlagen, und wir konnten wieder zum Normalbetrieb zurückkehren😊 Zumindest für einige Zeit. Zwei Tage vor meinem Abstieg waren wir wieder auf Stufe rot. Das hätte wirklich nicht mehr sein müssen😞


Gefahr auf drei Rädern

Unsere Scuddys sahen cool aus und machten sehr viel Spaß. Auf Madeira durfte ich damit nicht nur eine, sondern gleich zwei Touren an einem Tag fahren. Mein Chef Stefan dachte, ich hätte das bereits getan, aber ich saß an jenem Tag tatsächlich zum ersten Mal auf so einem Ding. Immerhin kannte ich die Route bereits von der Schnupper-Radtour. Vor der ersten Runde machte ich auf der Pier eine Probefahrt von 50 m. Kein Problem. Zwei Gäste fehlten, und wir konnten sie telefonisch nicht erreichen. Also fuhren wir ohne sie los.

Macht Spaß … solange niemand stürzt😉

Zuerst war beim Scuddy eines Gastes der hintere Reifen platt. Reparatur unterwegs unmöglich. Zum Glück hatte ich einen Scout-Kollegen als Schlussmann mit dabei. Der Gast hat seinen Scuddy übernommen. Den defekten haben wir zusammengeklappt und den Kollegen damit ins Taxi zum Hafen gesetzt.

Weiter ging es. Aber nicht viel weiter, denn da stürzte eine Dame, die mir berichtet hatte, dass sie sehbehindert sei, als sie vom Fußgängerstreifen links auf die Straße einbog. Passiert ist zum Glück nichts. Noch nicht. Erst im Santa-Catarina-Park, bereits kurz vor Ende der Tour. Die anderen fuhren alle rechts die Rampe für Rollstuhlfahrer hinunter, nur die sehbehinderte Frau nicht. Ich stand bereits unten, lief ihr entgegen, um ihr zu bedeuten, sie möge rechts fahren, aber als sie die drei Stufen der Treppe sah, gab sie erst recht Gas statt zu bremsen, und ließ auch den Lenker nicht los, so dass das Gefährt sie die Treppe mit hinabriss. Sie blutete im Gesicht. Ich wollte erste Hilfe leisten, aber konnte nichts tun, und ihr Partner tupfte ihr mit Papiertaschentüchern das Gesicht ab. Nach dem ersten Schock brachten er und ich sie zur Hauptstraße, und ich winkte ein Taxi herbei. An Bord besuchte sie das Hospital. Im Arztbericht stand, ich sei schuld gewesen, weil ich sie nicht auf die Treppe hingewiesen hätte, und sie wollte meinen Unfallbericht nicht unterschreiben, weil ich darin geschrieben hatte, dass ich ihr entgegengelaufen war, um ihr die Rampe zu zeigen… Natürlich traf ich wegen des Unfalls auch mit Verspätung beim Schiff ein und hatte keine Zeit mehr zum Mittagessen.

Bei der zweiten Tour um 11.30 Uhr fehlten sogar gleich fünf Gäste. Dafür waren die beiden fehlenden von der ersten Tour mit dabei. Natürlich hatte ich meine Gäste bei der Einweisung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der rechte Bremshebel für die Scheibenbremsen an den Vorderrädern ist und diese sehr griffig sind, so dass sie stets beide Hebel betätigen sollten. Eine ohnehin etwas unsichere Frau zog bei der ersten kleinen Abfahrt kräftig am rechten Bremshebel. Ihr Scuddy überschlug sich, und die Halterung für den Lenkerkorb brach ab. Ihre größte Sorge galt ihrer Brille, die sich darin befunden hatte und zum Glück heil geblieben war. Sie hatte sich nur den Ellbogen etwas aufgeschlagen. Ich desinfizierte die Wunde und klebte ein Pflaster darauf. Sie wollte nicht, dass ich einen Unfallbericht schrieb, aber das war nun mal Vorschrift. Sie hatte noch eine zweite Scuddy-Tour mit uns gebucht. Die haben wir prophylaktisch storniert. Ein Plattfuß und drei Stürze an einem Tag!

Da war es nur noch eine Frage der Zeit bis zum ersten schweren Unfall mit den Scuddys. Und tatsächlich: Keinen Monat später musste ein Gast mit einem Schlüsselbeinbruch ins Krankenhaus😦

Als ich auf dem Computer unseren Ordner mit den Unfallberichten sah, fiel mir auf, dass zwei Drittel der Verunfallten Frauen waren😮 Und dabei ist die Dame, die die Soft-Tour auf Gran Canaria mit mir fuhr, noch gar nicht mitgezählt. Zuerst fand sie, sie hätte zu wenig Luft im Reifen. Dann beschwerte sie sich, die Schaltung würde nicht richtig funktionieren. Schließlich fuhr sie beim Yachthafen gegen eine geschlossene Schranke😂 Seitlich davon wäre genug Platz gewesen, um durchzufahren, aber wer nicht in Einerkolonne mit Sicherheitsabstand fährt… Ihr und dem Rad ist zum Glück nichts passiert. Die abgefallene Schranke haben wir schnell wieder dranmontiert, und sie funktionierte auch wieder.


Recht (oder) zufrieden

Aber zurück nach Madeira. Als ich von meiner zweiten Scuddy-Tour kurz vor 15.00 Uhr zurückkam, standen da die fünf fehlenden Gäste. Die Abfahrtszeiten hatten sich geändert, und wir hatten das den Gästen nicht mitgeteilt. Mein Chef Stefan stellte sich auf den Standpunkt, dass die Gäste sich am Vorabend über Änderungen selbst informieren müssten. Auch wenn er formaljuristisch gesehen Recht haben mag, waren die Gäste natürlich trotzdem sauer. Ich finde, wer 50, 70 oder gar 90 € für einen Ausflug bezahlt, der dürfte über Änderungen des Startzeitpunkts durchaus auch benachrichtigt werden. Ich hätte mich sogar für das Verteilen der Kabinenbriefe zur Verfügung gestellt.

Unser Schiff war ja ticketlos. Das hieß, die Gäste mussten sich selbst über das Bordportal, über die interaktiven Bildschirme in den Treppenhäusern oder über die myAIDA-App über die Startzeiten und Treffpunkte ihrer Ausflüge erkundigen. Beim Nachschlagen auf den öffentlichen Bildschirmen verschwanden die Ausflüge schon nach wenigen Sekunden wieder, so dass man die Seite ständig von Anfang an wieder neu wählen musste. Nicht immer funktionierte die Technik, und nicht alle fanden das gut, am wenigsten die ältere Generation. Vielleicht ist AIDA diesbezüglich der Zeit etwas zu weit voraus.

„Können Sie mir sagen, wann mein Ausflug losgeht?“ – „Welchen Ausflug haben Sie denn gebucht?“ – „Keine Ahnung!“


Vom Winde verweht

In meinen letzten Wochen an Bord fuhr die AIDAnova über Cádiz und Málaga ins Mittelmeer. Nach einer morgendlichen Erkundungstour fuhr ich nachmittags mit Gästen. In der Stadt tanzte der Bär. Menschenmassen wälzten sich durch die engen Gassen. Aber es klappte alles. Am Strand luden mich Gäste sogar zum Essen ein. Und danach gab es ein fettes Trinkgeld von 25 €😮 Auf meiner ersten Tour in Málaga!

Während der als wild geltende Atlantik vier Monate ausgesprochen zahm gewesen war, wurde es im Mittelmeer ziemlich schnell rau. Unsere Route war eigentlich Barcelona – Palma de Mallorca – Seetag – Civitavecchia – La Spezia – Marseille – Seetag – Barcelona. Zuerst konnten wir wegen Windstärke 10 nicht in Barcelona landen. Die Gäste, die dort absteigen sollten, wurden am Vorabend innerhalb von zwei Stunden in Valencia von Bord gebracht und bei Nacht und Regen in Busse nach Barcelona verfrachtet. Das lief ziemlich chaotisch ab. Die in Barcelona aufsteigenden Gäste wurden nach Palma de Mallorca geflogen, wo wir einen Tag früher als geplant anlegten. Ein Riesenaufwand😮

Das gab uns die Gelegenheit, die Tour zu erkunden. Meine Kollegin Sabrina scheuchte in einer der engen Altstadtgassen eine Taube auf, so dass sie unserem neuen Kollegen direkt vors Vorderrad geriet. Ich fuhr neben ihm und hörte die Knochen brechen. Da hätte auch erste Hilfe nichts mehr gebracht😮

In La Spezia brachten wir zuerst alle Räder auf die Pier, bevor alle Radtouren wegen Regens abgesagt wurden. Das wäre auch umgekehrt gegangen😉 Unsere Erkundungsfahrt fand trotzdem statt. Als Michi einmal unvermittelt bremste, fuhr ihm Sabrina hinten auf und stürzte😮 Ihr ist nichts passiert, aber ihr Hinterrad war so stark verbogen, dass man das Rad nicht einmal mehr schieben konnte.

Künstlerpech…

Kollege Dominik „Düsentrieb“ bog die Felge wieder so weit zurecht, dass sie die restlichen 35 km mit dem eiernden Rad weiterfahren konnte😊 Als wir über vier Stunden und jeweils eine Pizza später zum Schiff zurückkamen, waren wir alle bis auf die Knochen durchnässt😞

Ein paar Tage später erneut starker Wind, diesmal vor Marseille: Wir wären zwar noch in den Hafen hinein-, aber nicht mehr herausgekommen. Deshalb ließen wir die Stadt aus und legten einen Tag früher in Barcelona an. Natürlich mussten alle Ausflüge storniert werden. Auf die Schnelle konnten wir in der katalanischen Hauptstadt nur vier Ausflüge für 380 von 6.400 Gästen organisieren. Immerhin konnten wir so auch hier unsere Radtouren erkunden.

Dann war der Roma-Express mit 150 unserer Gäste auf der Rückfahrt nach Civitavecchia aufgrund eines Personenschadens (sprich Suizids) verspätet😦 Zunächst sollten die betreffenden Gäste in einem Hotel untergebracht und mit Bussen zum nächsten Hafen, La Spezia, gebracht werden. Dann aber trafen immer mehr von ihnen doch noch ein, und selbst wenn wir mit Höchstgeschwindigkeit gefahren wären, hätten wir am nächsten Morgen La Spezia nicht mehr rechtzeitig erreicht, weil wir in Civitavecchia die „Clearung“ seitens der Hafenbehörden nicht schnell genug erhielten und ein MSC-Schiff (ausgerechnet!) in dem engen Hafen den Weg zu unserem Liegeplatz blockiert hätte. Deshalb wollten wir ganz langsam nach La Spezia tuckern und am 30. April abends eintreffen, ohne zu wissen, ob wir am 1. Mai überhaupt dort liegen konnten, weil wir so spät abends niemanden mehr von den Hafenbehörden erreichen konnten.

Am nächsten Morgen war wieder alles über den Haufen geworfen. Wir ließen La Spezia aus, weil die Hafenbehörden am 1. Mai nicht arbeiteten und wir gar nicht hätten landen können, und erreichten sowohl Marseille als auch Barcelona einen Tag früher. Das heißt, alle Ausflüge für La Spezia mussten storniert und neu gebucht werden. In Marseille wurden nicht nur sämtliche Radtouren, sondern auch alle Busausflüge in die Stadt abgesagt, weil Gelbwesten-Proteste zu erwarten waren und wir die Sicherheit unserer Gäste nicht gewährleisten konnten. Mit Hochdruck wurden Ersatzausflüge geplant. Entsprechend groß der Andrang der Gäste. Kein Wunder verfehlten wir unsere finanziellen Ziele einmal mehr.


Die Last mit den Kraftwagen

Das Veranstalten von Radtouren für Kreuzfahrtgäste ist ein gewisser, um nicht zu sagen großer Aufwand: verkaufen, einbuchen, Kabinenbriefe verteilen, Radlisten führen, Helm- und Rucksackausgabe, Räder hinausschieben, Einweisung, Ausrüstungsrücknahme, Räder zurückschieben, warten und reparieren. Aber es kommt noch dicker. In Civitavecchia, La Spezia und Barcelona durften wir aus Sicherheitsgründen im Hafen nicht radfahren. Das bedeutete, dass wir alle Räder nicht nur auf die Pier schieben, sondern auch noch in jedem Hafen zweimal täglich in einen LKW ein- und wieder ausladen mussten. Hineinstopfen trifft es besser. Ich musste dieses mühsame Prozedere nur noch ein paar wenige Male mitmachen. Umso mehr bedauere ich meine Kollegen, die diese Arbeit noch während Monaten vor sich haben😯

Aua, das tut doch weh!😳

Deshalb wollte ich bei der ersten Landung in Civitavecchia nicht unbedingt mit auf die Radtour nach Rom. Mein junger Kollege Michi hingegen schon. Dafür hatte er keine Lust, die Gäste in die Busse zu verfrachten und stundenlang am Schalter zu stehen. Also haben wir unseren Chef JP gefragt, ob er einverstanden sei, dass wir tauschten. War er. So weit, so gut. Aber dann:

  • JPs Chef Ingo war über den Tausch gar nicht erfreut, weil ich eine Woche später, als ich nach Rom kam, Michi aber bereits abgestiegen war, die Tour nicht kannte. Dabei war ich bereits mit TUI in Rom gewesen, und dort hatten wir außerdem lokale Guides.
  • JPs Kollegin Cati war ebenfalls ziemlich erbost, weil die Dienstpläne bis zum Kapitän gingen und er wissen sollte, wo wir sind. Es klang beinahe so, als ob der uns persönlich kennen würde und nichts Anderes zu tun hätte, als unsere Dienstpläne zu kontrollieren😉
  • Dann wurde wegen schlechten Wetters auch noch eine Bustour am nächsten Tag abgesagt, so dass die Kollegin, die mich am Schalter ablösen sollte, Kabinenbriefe schreiben musste und ich vier statt drei Stunden dort stand. Nach einer statt zwei Stunden Pause gleich noch einmal drei Stunden. Mit „stehen“ meine ich nicht sitzen😞

Aber für Michi würde ich es jederzeit wieder tun😉 Und beim Zurückschieben der Wagen für die Ausrüstung vom Busparkplatz fand sich in einer Kunststoffkiste ein nicht abgeholtes Imbisspaket im Wert von 6,90 €. Ich konnte nicht zulassen, dass es in falsche Hände geriet😉

Nach meinem Abstieg wurde ich nicht ersetzt. Das heißt, meine Abteilung war unterbesetzt. Deshalb sollten meine Kolleginnen und Kollegen nicht mehr ihre tatsächlichen Arbeitsstunden erfassen, sondern die nach Dienstplan vorgesehenen. Ich denke nicht, dass das jemand tun wird, aber allein die Anweisung halte ich für sehr bedenklich😞


Bitte ändern

Wie beschrieben war ich genauso wie die meisten Gäste mit AIDA zufrieden. Aber eben, wie an Land klappt auch auf so einem Schiff nicht immer alles. Wenn man woanders etwas besser machen wollte, hatte das schon mal nach „Vergiss es!“ geklungen😉 Deshalb wurde ich hellhörig, als unser Shore Excursion Manager Ingo bei einer Sitzung verlauten ließ, Verbesserungsvorschläge seien stets willkommen. Nun, dem Manne kann geholfen werden:

  • Prüft eure Bewerber auf ihre soziale Kompetenz, bevor ihr sie einstellt.
  • Macht mit neuen Fahrzeugen vor dem ersten Einsatz einen Härtetest. Dann merkt ihr schnell, wie gefährlich Scuddys und wie unsicher E-Scooter sind.
  • Übernehmt bei Konflikten auf dem Dienstplan die Verantwortung, statt sie auf die Leidtragenden abzuschieben.
  • Schreibt alle benötigten Felder auf eure Formulare.
  • Gebt euren Bikern entweder kostenlose Vesperpakete mit, erstattet ihnen eine Essenskostenpauschale für jede Tour ab 4 Stunden, oder legt zumindest Plastiktüten in die Crew-Messe, mit denen man seinen Imbiss offiziell hinausbringen darf.
  • Schafft die Zuckerriegel ab und gebt den Gästen statt leeren schadstoffhaltigen Flaschen lieber gefüllte 1-l-Wasserflaschen.
  • Lasst die Gäste am Morgen eine halbe Stunde vor Tourenbeginn in den Gepäckbereich kommen, macht die Ausrüstungs- und die Fahrradausgabe dort, und lasst die Gäste nach der Tour die Räder auch wieder dorthin zurückschieben.
  • Oder schreibt das Räderschieben nach den Touren wenigstens mit einer Stunde auf den Dienstplan der betreffenden Kollegen.
  • Stellt die Temperatur in der „Kühlkammer“ (dem Fahrradraum) höher ein. Die Wassersport-Gäste müssen sich dort ausziehen, um die Neoprenanzüge anzuprobieren, und manchmal kommen wir nass bis auf die Knochen von unseren Touren zurück.
  • Baut in den Fahrradraum ein Waschbecken ein und stellt eine Sandseife hin.
  • Sorgt dafür, dass in den ersten 15 Minuten jeder Stunde, wenn wir die Einweisungen im Klettergarten machen, im Four Elements keine Veranstaltungen mit Mikrofon beziehungsweise Lautsprecher stattfinden.
  • Stellt die Rollläden im Klettergarten fertig.
  • Wascht die Klettergurte öfter.
  • Gebt den Klettergarten an das Four Elements und Minigolf an die Sportys ab.
  • Stellt Barhocker an den Schalter auf Deck 6 und an die Pilze auf Deck 8.
  • Schafft den Verkauf von Busausflügen durch Activity Guides und denjenigen von Aktivtouren durch Scouts wieder ab.
  • Druckt den Gästen papierne Buchungsbestätigungen für ihre Ausflüge aus.
  • Bringt eure Informatik auf Vordermann, damit es keine On-Hold-Buchungen mehr braucht.
  • Informiert die Gäste von euch aus über geänderte Ausflugszeiten und ob sie Ausflüge nun mitmachen können oder nicht, wenn sie „on hold“ oder auf der Warteliste sind.
  • Scannt die Pendelbus-Gäste beim Ein- und nicht beim Aussteigen.
  • Sagt den neu aufgestiegenen Gästen per Lautsprecher, dass sie nicht vor 21.00 Uhr zur Sicherheitsübung loslaufen sollen.
  • Schreibt die Sammelplätze mit den dazugehörigen Decks im Klartext auf die Rettungswesten und an die Kabinentüren.
  • Wenn nicht alle in ein Rettungsboot passen, nehmt ein Rettungsfloß von der gleichen Schiffsseite.
  • Bestellt in allen Häfen zwei LKWs oder einen Sattelschlepper.
  • Seid ein bisschen großzügiger mit den Spesen. Für eure Aktionäre ist das ein Klacks. Für eure Mitarbeiter ein Zeichen von Wertschätzung.
  • Erhöht lieber die Gehälter, statt den Leuten mit „alles was über 106% liegt, wird verdoppelt“ Sand in die Augen zu streuen.
  • Wenn ihr unterbesetzt seid, doktert nicht an der Zeiterfassung herum, sondern erhöht die Gehälter, damit ihr genug Besatzungsmitglieder bekommt.
  • Verlängert die Zeit, bevor eine einmal angewählte Seite auf den öffentlichen Bildschirmen wieder verschwindet.
  • Spielt die richtige Software auf, damit die dienstliche Kommunikation auch über die Diensthandys erfolgen kann.
  • Bringt im vorderen Treppenhaus auf Deck 5 eine große „5“ an.
  • Stellt den gesunden Menschenverstand über Hierarchie und Bürokratie.
  • Führt deutsch als Bordsprache ein😉


Auf AIDAsehen!

Auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten ist spannend und aufregend. Kein Tag ist wie der andere. So ein Schiff ist eine eigene kleine Welt. Da gibt es hundert verschiedene Berufe: Kellner, Gastgeber, Köche, Zimmermädchen, Kinderbetreuer, Fitnesstrainer, Elektriker, Schauspieler, Fernsehtechniker, Musiker, Rezeptionisten, Maschinisten, Verkäufer… Alle diese Tätigkeiten sind an Bord spannender als an Land.

Allerdings kommen die Kolleginnen und Kollegen aus diesen Bereichen nur selten an Land, und wenn, dann nur kurz. Meine Scout-Kollegen hatten es da schon besser. Sie mussten ja die Ausflüge kennen, die sie verkauften. Leider waren auch sie immer weniger auf Ausflügen und immer mehr an Bord. Wer auf einem Schiff arbeiten und etwas von der Welt sehen möchte, muss Activity Guide werden. Aber nicht im Klettergarten😉 Als Biker habe ich gutgelaunten Gästen zu schönen Erlebnissen verholfen, wofür sie froh und dankbar waren, habe mich bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen aus eigener Kraft durch schöne Landschaften bewegt, habe fremde Länder und neue Orte kennengelernt und mit netten und hilfsbereiten Kollegen zusammengearbeitet😊

Wohl wahr…

Meine Zeit an Bord war tatsächlich sehr intensiv. Auf einem Schiff arbeitet man nicht nur, sondern man lebt dort. Das heißt, es ist Arbeit, Freizeit, Hobby, (Ersatz-)Familie und soziales Umfeld in einem. Mir hat dieses Leben gefallen. So sehr, dass ich meinen Vertrag nicht nur erfüllt habe, sondern mich bei dem Gedanken ertappt habe, mich nach einem geeigneten Schiff für einen neuen Vertrag umzusehen. AIDA hat mir tatsächlich einen angeboten😊